Die österreichisch-italienische Alpenpässe-Tour (16)

10 Tage, 1.000 km, 20.000 Hm

Etappenübersicht (als Landkarte von Mittenwald bis Villach 0,65 MB) vom 24.6.-4.7.2011.

Anreise

Nach der Bahnfahrt Frankfurt - München - Weilheim - Mittenwald starte ich hier die erste Trainingseinheit für den Dreiländer-Giro 2011! Bei bestem Wetter fahre ich durch das Leutaschtal, hinunter in's Inntal nach Telfs und weiter flach mit viel Rückenwind - das tut gut! - über Landeck hinauf nach Nauders: Meine ersten 130 km und 1.678 Hm!

Der folgende Tag ist schon wieder Ruhetag vor dem großen Rennen, welches ich schon 2007 (6:02) und 2008 (6:15) absolviert habe; Erholung und eine kurze Runde über Finstermünzpaß (1.188 m) und Norbertshöhe ist angesagt: Ruhige 27 km mit nur ca. 400 Hm!

Dreiländer-Giro

Heute ist Tag des Herrn! Ohne großes Radtraining - vor allem ohne große Bergerfahrung! - geht es direkt in einen der schwersten Radmarathons der Alpen: Ca. 170 km und 3.400 Hm stehen mir bevor. Beschrieben habe ich den Dreiländer-Giro im eigenen Wettkampfbericht. Von dort reise ich nach den vier Pässen Reschen (1.507 m), Stilfser (2.757 m)/Umbrail (2.501 m), Ofen (2.149 m), Norbersthöhe die 45 km nach Landeck weiter, wo ich Jan treffe und die österreichisch-italienische Alpentransversale beginnt! (Insgesamt 1.000 km mit 20.000 Hm!)

Österreich ade

Heute verlassen wir Österreich, indem wir nach 30 km Einrollen im Inntal (Gegenwind!) in's Ötztal abbiegen und nach 60 km das Timmelsjoch (2.509 m) und damit die italienische Grenze erreichen wollen; davon trennen uns neben der Entfernung aber auch 2.000 Hm! Bei heißestem Wetter machen wir uns bei viel Sonne an die Auffahrt; für Jan ist es das erste, für mich vielleicht das dritte Mal von dieser Seite. Interessanter wird die Auffahrt allerdings erst ab Sölden (so wie es scheint ergänzt durch Sölden 2000 und Super Sölden 2000!). Wie auf der ganzen Tour gibt es während der Woche nur sehr wenig Verkehr nach dem langen Wochende in Deutschland. Und die Motorradfahrer, die unterwegs sind, fahren durchweg sehr vernünftig! Nur ganz selten gibt es das am Wochenende weit verbreitete Motorradrennen um Leben und Tod. Irgendwann - mir steckt der Radmarathon nicht nur heute in den Knochen! - erreichen wir das Timmelsjoch. Nach einer wohlverdienten Pause und dem Genuß des Passes machen wir uns an die atemberaubende, schnelle Abfahrt. Die 30 km lange Abfahrt bis St. Leonhard genießen wir beide in vollen Zügen und entscheiden uns bei der Durchfahrt von Meran für eine Übernachtung im Weinort Terlan (Pension Runer), 10 km vor Bozen: 170 km und 2.261 Hm stehen auf dem Tacho.

Dolomiten

Anstelle von Niger- und/oder Karerpaß entscheiden wir uns für die Seiser Alm (1.850 m) als Einfahrt in die Dolomiten: Diese Straße ist im Kern für KFZ gesperrt! Bei der Auffahrt ergibt sich ein toller Rückblick in's Eisacktal! Weiter oben erheben sich die ersten für die Dolomiten typischen schroffen Felsformationen. Oben auf der Seiser Alm pendelt es nur ein wenig, wir verpassen offensichtlich die geteerte Straße nach St. Christina und arbeiten uns eine ausgewaschene MTB-Strecke hinab; geht aber auch mit dem Rennrad:-) Danach gibt es Kaffee und Kuchen in Wolkenstein, bevor wir die Auffahrt zum Sellajoch in Angriff nehmen: Auf der Straße der Sellaronda haben sich aber zwei Busse verharkt - Radfahrer passen gerade noch so vorbei! - so daß wir kaumst Verkehr haben hinauf! Wir kommen im Rifugio Passo Sella unter wo die Räder auch im alten Schlaftrakt unterkommen - und machen anschließend noch eine Wanderung hinauf zum Passo di Sella (2.244 m, links) mit Blick in die Dolomiten. Heute: 78 km und 2.627 Hm.

Kleinste Pässe

Über den Passo Sella erreichen wir nach Ab- und Auffahrt den Passo Pordoi (2.239 m) und nach der Durchfahrt von Arabba haben wir einen schönen Blick hinunter in's Tal des Cordevole mit dem Ort Digonera. Über Alleghe - sehr nett dort am See! - fahren wir weiter nach Süden bis Agordo, wo wir in die Auffahrt zum Passo Duran einfahren und erstmal einen Stopp am Brunnen einlegen. Dann geht es weiter in die Felsenwelt der Dolomiten, über den Passo Duran (1.601 m) und später noch über den Passo Cibiana (1.530 m, beide vom Giro d'Italia bekannt). Übernachen tuen wir auf der Abfahrt in Cibiana di Cadore, als wir 110 km und 2.177 Hm auf der Uhr haben.

Halber Ruhetag

Während des ausgedehnten Frühstücks regnet es noch, danach ziehen die Wolken aus den Bergen und es ist warm. Wir verlassen die Dolomiten und fahren in die südlichen karnischen Alpen ein: Diesen relativ unberührten Teil der Alpen, verschont von ausuferndem Massentourismus. Hier passiert es uns auch, daß uns eine Schlange auf der Straße fast den Weg versperrt;-) Wir machen uns an die Auffahrt hinauf zum Sella die Razzo (1.760 m, vgl. dazu meinen Bericht der Jahre 2005 und 2008 im Abschnitt 'Eine falsche Legende'): Im Mittelteil windet sich die Straße und gewinnt in vielen Serpentinen an Höhe. Hier ein Rückblick in die karnische Bergwelt. Oben angekommen gibt es gar nicht: Das Hochplateau pendelt leicht, wir kehren in eine Hütte zu Kaffee und Kuchen ein, einen regelrechten Paß gibt es nicht. Dann machen wir uns an die uns bekannte Abfahrt hinunter bei schönstem Wetter: Wieder enge Straßen und viele Kehren, eigentlich kein Verkehr, dann der Lago di Sauris, die Schlucht (mit altem Pfad und Galerie hinten im Schatten) und die Staumauer (aufgenommen von einem Durchbruch im Tunnel Richtung Passo di Pura, welchen wir aber nicht fahren). Wir folgen der Schlucht, fahren mehrmals und länger im Tunnel vorbei an der alten, waghalsig angelegten Straße und erreichen viel später Liariis. Da es den guten alten Gastwirt Silvio Ortis mit seiner Trattoria 'Al Blitz' nicht mehr gibt, essen wir Pizza, nach 104 km mit 1.828 Hm.

Ergänzung (3.3.2012)

Im Jahr 2008 waren wir schon mal hier, doch hatte jetzt kurz vorher der Besitzer der Trattoria gewechselt. Offenbar betreibt Silvio Ortis jetzt den Campingplatz 'Campeggio Spin' in Ovaro - keine 2 km von Liariis entfernt! - und die Trattoria Al Blitz dort [16.5.14]! Beim nächsten Mal werde ich dann dort vorbeischauen ...; aber die Pizzeria in Liariis ist auch nicht von schlechten Eltern:-)

Die Giganten des Giro d'Italia

Heute versuchen wir das Unmögliche: Wir wollen den Paß fahren, den der Giro d'Italia Tage zuvor ausgelassen hat! Unser Gepäck nehmen wir vorsorglich nicht mit und machen uns über Ovaro, Comeglians und Tualis auf den Weg zum Monte Crostis, zur Panoramica de Vette! Schon vor Tualis haben wir es mit einer recht konstanten, aber stetigen 10%-Steigung zu tun (Ø 9,4%). Nach Tualis geht es konstant mit Ø 10,5% aufwärts, meist im schattigen Wald; nur am Ende - mit schönem Ausblick in den Kehren! - klettert die Steigung auf Ø 12,1% mit max. 18%! Am "Paß" auf 1.892 m gibt's eine super Aussicht, bevor wir uns auf die ungeteerte und flache Panoramastraße mit den Sicherungen des Giro d'Italia machen. Nach ca. 8 km folgt die ebenso steile Abfahrt mit Panoramablick und den Sicherungen und teils neuem Asphalt. Nach dieser Runde, die wir auf der originalen Giro d'Italia-Strecke fahren, geht es wieder hinauf von Ovaro nach Liariis (Ø 9,1%), wo wir Mittagspause mit Pasta machen und bevor es auch für uns - dem Giro d'Italia folgend - durch die "La Porta per l'Inferno" geht: Wir haben zuerst(!) 4 Kilometer mit Ø 15,3%, was max. Steigungen von 22% und 20% beinhaltet! Danach wird die Steigung mit Ø 13,0% etwas flacher. Nur müssen wir uns zwischendurch noch durch eine Kuhherde kämpfen. Vor dem letzten Kilometer sind moderate Ø 8% angesagt, was nochmals max. 18% bereithält und die drei Tunnel! Oben auf dem Monte Zoncolan (1.730 m) angekommen verschnaufen wir beide erstmal: Diese Auffahrt ist eine der ganz wenigen Alpenstrecken, die durchschnittlich mehr als 10% Steigung haben! Nur etwas später aber hören wir linkerhand Donnergrollen, so daß wir uns aufmachen hinunter nach Sutrio: Wir nehmen die erste Albergo und genießen den langen, heftigen Regenschauer vom Balkon aus:-) Eine Königsetappe mit 74 km und 2.720 Hm [7.7.11]!

Italien ade

Heute stehen unerwartet doch 3 Pässe auf dem Programm: Wir überqueren die Canale di S. Pietro und fahren Paluzza, Treppo Carnio, Ligosullo mit Rückblick auf Monte Zoncolan (links) und Crostis (rechts). Dabei erreichen wir über 1.000 m Höhe, um in Wellen den Forcella di Lius (990 m) zu erreichen; anschließend geht es mit über 18% hinunter an der Kirche und zwei herrschaftlichen Palazzi vorbei in's Zentrum von Paularo. Hier machen wir Pause. Der zweite Paß ist geplant: Wir steigen aus dem Tal - begegnen einem typischen Alpenbewohner, dem Hochalpenapollo mit seinen markanten roten Flecken, winden uns auf schmalsten Straßen am Fels entlang der Schlucht. Anschließend entfernen wir uns im Wald vom Fluß, um ihn in einer Abfahrt wieder zu erreichen: Allerdings müssen wir die verlorene Höhe mit giftigen Steigungen im 18%-Bereich bezahlen! Weiter oben in der Paßanfahrt wird es dann mit Blick auf die Malga Cason di Lanza (1.552 m) etwas flacher: Hier auf der Alm lassen wir es uns dann schmecken! Nach der Abfahrt und der eher unspektakulären Auffahrt zum Naßfeldpaß (1.552 m) erwischt und dann noch ein Schneeschauer, den wir allerdings vom Balkon der Albergo Ristorante Wulfenia da Livio verfolgen: Nur 61 km mit 2.525 Hm.

Ziel erreicht

Wir verlassen den Naßfeldpaß wieder bei bestem Wetter, und überqueren damit den Karnischen Hauptkamm. Nach der schnellen Abfahrt auf gut ausgebauter Straße folgen wir der Gail im Tal und machen noch einen Abstecher um die Villacher Alpe: Dabei machen wir eine letzte Einkehr und Essen gut in Bleiberg-Kreuth. Von ca. 950 m folgt eine schnelle Abfahrt nach Villach, wo wir uns im goldenen Lamm einquartieren und u.a. den Tag im Biergarten der Villacher Brauerei genießen. Letzter Tag mit 72 km und 701 Hm.

Abreise

Nächsten Tag fahren wir mit der Bahn von Villach durchgehend bis München, wo sich unsere Wege trennen; ich verbleibe im Eurocity bis Mannheim und wechsle dann in den ICE nach Frankfurt.

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