Frankreich - Italien 2014:
Marseille - Venedig

Vorbemerkungen

Auf dieser Reise möchte ich Bekanntes mit Neuem verknüpfen; sowohl bekannte Strecken und Landschaften möchte ich wiedererleben und auch neue Eindrücke sammeln.

Teil I der Reise umfaßt die Strecke von Marseille nach Pian del Re, ist 912 km lang und dauert 8 Tage; Teil II der Reise folgt dem Fluß Po von Pian del Re nach Venedig, ist 921 km lang und dauert 10 Tage. Mit An- und Abreise, Regen- und Ruhetagen ergeben sich gesamt 21 Tage und 1.833 km.

Übersicht Gesamtroute: Landkarte Marseille - Pian del Re - Venedig (4 MB)

Anreise

Trotz Problemen bei der Bahn erreiche ich ohne Umstiege Marseille pünktlich (Sparpreis für 39 EUR!); dabei reist das Rad in der Gepäckablage mit:-)

Teil I:

Marseille - Provence - Mont Ventoux - Col Agnel - Piemont - Pian del Re

Route Teil I: Landkarte Marseille - Pian del Re (16 MB)

1. Tag: 13.8.14
Marseille - Apt: Provence und Luberon
122 km, 1.576 Hm

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt möchte ich heute nach Norden in die Provence einfahren.

Morgens werde ich durch lautes Prasseln von Regen wach, so wie vorausgesagt; aber um 10 Uhr konnte ich schon bei trockenem Wetter losfahren. Zuerst sehe ich mir die Cite Radieuse von Le Corbusier [2.9.14] an: Das Gebäude ist zwar in die Jahre gekommen, der Ausblick von der vielseitig gestalteten Dachterrasse ist grandios. Auch das Interieur der Bar/des Restaurants überzeugt und die Architektur läßt etwas von den Ideen der Konzeption durchschimmern: Bar, links der Balken [2.9.14], Bar, ober der Balkon des Restaurants [2.9.14].

Dann fahre ich ich im großen Bogen am Mittelmeer entlang auf dem Corniche du President John Fitzgerald Kennedy um den südlichen Teil der Innenstadt (Mitte: Notre-Dame de la Garde) herum mit Blick zur Festung zum Hafen.

Nach 20 km Richtung Norden durch recht unangenehmen Stadtverkehr erreiche ich das ehemals außerhalb als Ort der Ruhe und Erholung gelegene Atelierhaus Cezannes. Hier habe ich einen kurzen Einblick in seinen großes, eindrucksvolles Atelier. Mehr hier: Atelier Cezanne [2.9.14].

Für mich geht es jetzt durch die phantastische Landschaft der Provence: Die Sonne steht hoch am Himmel, welcher stahlbalu ist; keine Wolke dort oben! Die Lavendelernte parfumiert die Luft; und das nicht nur, wenn gerade ein Traktor auf seinem Anhänger die Ernte einfährt. Dann ist es natürlich besonders intensiv! Aber auch die abgeernteten Felder riechen in der Hitze toll. Ich durchfahre Weinanbau und passiere unversehens ein Weingut: Hier lasse ich mir eine Weinprobe nicht entgehen! Im Vorbau der Felsen lagern Weinfässer und die Abfüllanlage und Etikettiermaschiene warten auf Arbeit. Wer in der Gegend ist: Weingut Chateau L'EVESQUE [2.9.14].

Nach der Überquerung der Durance (später dazu noch mehr!) steht für mich jetzt die Überquerung des Luberon an: Ein kleiner Gebirgszug mit ersten Serpentinen und kleinen Straßen. Auf der kleinen Nebenstrecke durch Buoux ist die Auberge ein reines Restaurant; bei der Gite ist niemand zuhaus und am Telefon erreiche ich nur die Bandansage. Gerne wäre ich hier in der Abgeschiedenheit geblieben ..., zumal das Restaurant wirklich gut aussah!

Kurz vor meinem Zielort Apt erhasche ich schon einen Blick auf den "Giganten der Provence", den Mont Ventoux! Der Ort Apt ist alles andere als überlaufen - im Gegensatz zu Aix! - und recht nett.

2. Tag: 14.8.14
Apt - Aurel: Der Mont Ventoux!
115 km, 2.533 Hm

Da 2006 die Nordanfahrt zum Mont Ventoux verschneit war will ich die heute in Angriff nehmen und in Aurel übernachten.

Heute verheißt das Wetter für Frankreich nicht viel Gutes ..., doch für Apt, Carpentras und das Gebiet um den Mont Ventoux sieht das Wetter verheißungsvoll aus! So strahlen die Fensterläden mit dem Himmel um die Wette:-)

Vor der Überfahrt des Plateau de Vaucluse fahre ich einen kleine Gruppe auf: Ein Vater mit seinen beiden Söhnen, 14 und 16. Der Ältere spricht gut Englisch ..., und setzt mir in der Auffahrt ganz schön zu:-)

... dann nähere ich mich durch Weinbaugebiet dem "Geant de Provence". Nach einer Stärkung in Malaucene mache ich mich an die Nord-Auffahrt: 21 km mit durchchnittlich 7,2%!

Zuerst geht es sachte dahin mit 8-9%, später dann mit 11-12%. Zwischendurch kann ich auf einem Bergrücken mal nach Süden und Norden in die Ebene schauen und sehen, wieviel Höhe ich schon gewonnen habe. Doch richtig spektakulär wird es erst später, wenn man einen Blick bis zu den Alpen im Nordwesten hat. Hier der Rückblick zum Radar. Oben ist es windig und zudem sehr kalt (15°C); ich mache nur eine kurze Panache-Pause und mache mich an die Abfahrt; zum Aufwärmen mache ich im Chalet Reynard eine Kaffee-Pause!

Die Ost-Abfahrt Richtung Sault ist dann ganz angenehm, zumal es einen guten Fahrbahnbelag gibt. (Die Süd-Auffahrt habe ich im April 2006 gemacht von Bedoin.) Unten im Tal an Sault vorbei steuere ich auf Aurel (wo wir 2013 auf der Bordeaux-Nizza-Tour durchgefahren sind); ein sehr netter Ort und offenbar Ausgangspunkt für Mont Ventoux-Exkursionen. Während ich auf das Abendessen warte, lasse ich die Bergtour Revue passieren. Dann bekomme ich Perlhuhn zum Hauptgang: Lecker!

3. Tag: 15.8.14
Aurel - Gap: Meouge- und Durance-Tal
140 km, 1.299 Hm

Nach der Bergetappe gestern folge ich heute den Flüssen Meouge und Durance: Neu sind dabei die Gorges de la Meouge und Sisteron.

Nach kurzer Zeit passiere ich - mal wieder - Montbrun-les-Bains (ein Plus beaux villages de France) und entschließe mich, diesmal hinauf in den mittelalterlichen Ort zu fahren: Sehr nett und ruhig am Morgen; vom Balkon habe ich einen schönen Blick über das Tal; am Dorfplatz trohnt der eindrucksvolle Tour l'Horloge mit seinem schmiedeeisernen Glockenaufsatz. Vielleicht sollte ich das nächste Mal in einem der Bäder-Resorts einkehren ...

Anschließend erreiche ich den kleinen Paß Col de Macuegen (1068 m) - den ich auch 2006 schon gefahren bin - mit Blick in die Berge und über Lavendelfelder. Dann folge ich nach Sederon dem Fluß Meouge und freue mich am Ende über die beeindruckende Gorge!

Nach einer kleiner Stärkung in der Mittagshitze im Örtchen le Plan mache ich mich über Sisteron - paar nette Gassen, Stadtbefestigung, Uhrturm, Festung, Kathedrale; überzeugt mich aber nicht so - an Obstplantagen entlang recht unspektakulär aber auf ruhigen kleinen Straßen der Durance folgend auf nach Tallard.

Hier gibt es aber kein Hotel! Ich werde auf ein Hotel am nahen Flugplatz verwiesen. Dieses Hotel ist ausgebucht; ich werde auf Hotels in Sisteron(!) verwiesen (und warum nicht nach dem viel näheren Gap?!). Auch das zweite Hotel am Flugplatz ist 'complet'. Ich entschließe mich, mein Glück in Gap zu versuchen (15 km!). Aber mir schwant, daß dieses Wochenende in Frankreich ein besonderes sein könnte ...

Anrufe und Nachfragen bei Unterkünften unterwegs ergeben nichts; nur, daß alle Franzosen dieses lange Wochenende für einen Kurzurlaub nutzen und Gap wohl komplet ausgebucht ist:-( Die Damen im ibis Gap Hotel aber nehmen sich meiner an und telefonieren alles was geht! Sie finden ein Zimmer in dem Hotel Le Pavillon Carina außerhalb des Stadtzentrums: Die Anfahrt ist wie beschrieben wirklich steil! Und ich komme in einem Zimmer im Nebengebäude unter, welches einige Spinnenweben aufweist und das Fenster zur Eselskoppel und zum Hühnerstall hat:-) Aber immerhin frische Handtücher und eine Dusche! Abends lerne ich noch Guido aus der Nähe von Mailand kennen, der seit 9 Jahren jedes Jahr seinen Jahresurlaub aufspart für eine fünfwöchige Fernwanderung: Diesmal von Turin nach Toulouse auf den Fernwanderwegen GR. Wir speisen dann noch sehr formidabel!

4. Tag: 16.8.14
Gap - Guillestre: Die Durance und paar Pässe.
129 km, 2.500 Hm

Wie gestern gestaltet sich wegen dem französischen langen Wochenende die Unterkunftssuche interessant; heute alledings ohne Umweg.

Nach dem Frühstück im Hotel, der Buchung eines Hotelzimmers nahe Guillestre (aber später dazu mehr!) und dem kleinen Paß Col de Sentinelle (981m, max 8%, Ø 3,5%) folge ich der Durance und später dem begleitenden Kanal, bevor ich in die Gorges des Flusses Blanche (Rückblick) abbiege. Am eindrucksvollsten im ersten Abschnitt steige ich auch nach Solonnet an zum Col St. Jean (1.333m), was mir anfangs gar nicht so klar war. In der Abfahrt habe ich dann einen schönen Stereo-Blick auf den Lac de Serre-Poncon: Dieser wird wohl hauptsächlich von Durance und Ubaye gespeist und besitzt den größten Erddamm Europas mit einer Höhe von 124m.

Am See nutze ich auch noch die Auffahrt zum Col de Pontis: Eine kleine, giftige Auffahrt, die fast nur aus Serpentinen zu bestehen scheint! Steil geht es durch den Fels hinauf im unteren Bereich (1.301m, max 18%, Ø 10%) mit schönem Blick auf den See.

Dann Pause im überlaufenen Savines-le-Lac, Überquerung des Sees und hügelig weiter über die Strecke des Embrunman (wie ich nachher erfahren habe) nach Embrun: Hier habe ich mir die Kathedrale angesehen, die über eine interessante Orgelkonstruktion [4.9.14] verfügt, welche auf das 15. Jh. zurückgeht.

Weiter geht es auf der Embrunmanstrecke (Rückblick): Der sog. Route Les Balcons de la Durance. Das Departement Hautes Alpes hält einige sehr gut ausgeschilderte und kilometrierte Routen [3.9.14] als auch Paßanfahrten [3.9.14] vor.

In Guillestre angekommen, will ich zu meinem Hotel fahren in's 3 Kilometer entfernte Risoul. Doch im Ort stellt sich heraus, daß das Hotel nicht in Risoul, sondern in Risoul 1850 ist! 10 km und 850 Hm zusätzlich für eine Übernachtung ist aber wirklich eine Zumutung. Nach ein paar Telefonaten - auch als Einzelreisender sollte man nicht nur nach Einzelzimmern fragen:-) habe ich ein Zimmer im Hotel Les Barnieres in Guillestre gefunden, welches kaum teurer ist als das mir die Toursitinformation verkaufen wollte!

5. Tag: 17.8.14
Guillestre - Barolo: France / Col Agnel / Italie
160 km, 2.076 Hm

Das Dach meiner Tour führt mich auf 2.744m und in eine einmalig schöne Bergregion! ... und weiter in die geliebte Langhe.

Ich verlasse Guillestre durch die phantastische Gorges du Queyras (Rückblick) und die anschließende Combe du Queyras. Über Chateau-Queyras - an dem Fort vorbei - mache ich mich an die eigentliche Auffahrt zum Col Agnel, dem Dach meiner Tour! Pause in Molines-en-Queyras ..., und am Ziel dann der Rückblick auf die Auffahrt und die alpine Bergwelt!

[Ganzen Reisebericht ab Marseille lesen.]

Die Grenze verläuft hier oben auf 2.744m zwischen Frankreich und Italien. Oben macht dann Neil (aus Großbritannien) ein Photo von mir und Dieter (aus Österreich) und ich halte die dramatische Stimmung mit aufziehenden Wolken mit Neil und Dieter fest. Auf die jetzt folgende Abfahrt bin ich schon gespannt: Denn ich werde eintauchen in die Wolken auf der sich nach unten windenden Paßstraße!

In der Abfahrt mache ich lediglich am See in Castello eine kleine Pause mit Einkehr und blicke mich nur in der großen Ebene einmal um zurück in Richtung Alpenkamm. Kurzfristig ändere ich dann meine Pläne: Warum nach Dogliani fahren, wenn ich auch Barolo erreichen kann? Gleich bei der Ankunft im Lieblingsrestaurant einen Tisch bestellt und im Lieblingshotel (mit Blick von der Terrasse) ein Zimmer besorgt für die nächsten zwei Tage (ups, gerade kommt eine Busreisegruppe an). Das Essen war wie immer spitze; diesmal war das "Ei" sogar mit Trüffeln garniert:-)

6.Tag: 18.8.14
Barolo - Barolo: Giro delle Langhe
114 km, 1.891 Hm

Heute lass ich das Gepäck im Hotel und drehe eine Runde durch die Langhe!

Zum Frühstück geht es nach Castiglione Falletto zur Bar La Terrazza: Panino e vino! Dann mache ich mich auf am Winzer Fontanafredda vorbei über Sinio und meine Lieblingsstrecke in die Alta Langhe, wo vorwiegend Haselnüsse (kurz nach Lequio Berria) angebaut werden. Eine tolle einsame und schmale Strecke ist das, die an Höhenmetern nichts zu wünschen übrig läßt! Mein avisiertes Restaurant zum Mittagessen in Cossano Belbo hat leider Mo.-Mi. geschlossen:-(

So mache ich mich an vereinzelten Weinhängen hinauf auf nach Castino, hinab nach Cortemilia und über Torre Bormida wieder hinauf - mit kleinen Weinpausen u.a. in Monforte - nach Castiglione Falletto, wo ich in der Bar La Terrazza di Renza unterhalb der Burg mit einem gemischten Teller speise. Die Bar ist und bleibt einfach ein Kleinod! Bei der Fahrt durch den Ort erhasche ich noch einen Blick in die abendliche Langhe nach Serralunga!

7. Tag: 19.8.14
Barolo - Saluzzo: Ausrollen und entspannen!
88 KM, 744 Hm

Nach der gestrigen wirklich schönen Runde durch die Langhe dient der heutige Tag nur als Überführungsetappe zum Treffpunkt mit M. Klemm.

Auf meinem Weg heute zuerst durch die Weinberge nach La Morra verschwindet der Ort in den Wolken; weiter über Verduno sehe ich mir die Burg in Roddi an. Nach Asti und Bra lege ich in Cavallermaggiore eine Pause ein und erreiche Saluzzo.

Unterkommen tue ich nahe der Cattedrale unterhalb der Altstadt, durch die ich dann noch etwas bummel. Dabei sagt die Wettervorhersage: Heute Wolken und Sonne; gottlob sind Gewitter und Regen morgen nicht für unsere Region angesagt (aber in den Alpen weiß man ja nie ...). Und übermorgen Sonne über Turin!

8. Tag: 20.8.14
Saluzzo - Pian del Re: Stadtbesichtigung und Überführungsetappe
44 km, 1.668 Hm

Die Besichtigung der mittelalterlichen Stadt Saluzzo steht heute auf dem Programm sowie die Anreise zum alpinen Startort Pian del Re.

Durch die Altstadt hinauf gelange ich auf den "old main square, centre of the social and economic Marquisate's life. Elegant noble palaces (15th century), featuring loggias, porticoes, grisaille frescoes and terracotta decorations, run along the charming street". Rechts abbiegend gelange ich zur frühgotischen Kirche San Giovanni aus dem 13.-16. Jh. (Baubeginn 1330): Sie enthält im hinteren Teil, der Apsis, die Begräbniskapelle des Markgrafen Ludovico II. von Saluzzo und ist ein Meisterstück flamboyanten gotisch-burgundischen Baustils! Sehenswert sind auch das Chorgestühl und die Farbigkeit der grünen Steine in der Kapelle. (Im ehem. Kloster, welches jetzt ein Luxushotel ist, habe ich mir noch das Mausoleum von Galeazzo Cavassa im Kapitelsaal und den großen Saal mit imponierender Holzdecke [4.9.14] angesehen.)

Jetzt sehe ich mir das nebenan liegende mittelalterliche Haus von Galeazzo Cavassa aus dem 15. Jh. an, welches Stadtmuseum ist (seit 1889!): Betreten tue ich es durch das Eingangsportal aus Marmor mit Holztür aus Nussbaum (1518-1528), welches auch von Familienwappen mit Fisch (der hier Cavassa genannt wird) und dem Wahlspruch "Vorwärts, egal was kommt" verziert ist. Innenbeeindrucken die alten Säle mit teils originalen Fresken und Decken. Von den hölzernen Balkonen öffnet sich der Blick weit über Saluzzo (die Unterstadt wurde im 18. und 19. Jh. von den Savoyern angelegt) und die Poebene.

Mehr Photos und Informationen auf der Homepage des Museums [4.9.14] oder eine schöne photographische Übersicht über Saluzzo, San Giovanni und Casa Cavassa [4.9.14] im Internet.

Um 14 Uhr kommt M. Klemm. in Saluzzo an und wir essen erstmal auf dem Corso Italia! Dann machen wir uns an den Aufstieg: Der geht zuerst flach dahin, doch müssen wir von 395m (Saluzzo) auf 2.020m (Pian del Re) hinauf. Das Wetter zieht sich etwas zu (laut Hotelier soll es sogar ein paar Tropfen geben, die dann wirklich fallen) und wir bewältigen eine Profi-Auffahrt! Die letzten Kilometer fahren wir im Nebel/Wolken (ich) und etwas Regen (M. Klemm.). Die letzten 5 Kilometer gibt es durschnittlich 8-10% Steigung; oben angekommen essen wir fürstlich: Im Rifugio wird Polenta serviert mit verschiedenen Soßen (u.a. Käse/Fisch), Kalb, Würstchen und anderem!

Teil II:

Pian del Re - Turin - Pavia - Piacenza - Cremona - Mantua - Ferrara - Delta del Po - Venedig

Route Teil II: Landkarte Pian del Re - Venedig (5,5 MB)

9. Tag: 21.8.14
Pian del Re - Turin
121 km, ? Hm

Wir verlassen die alpine Quellregion des Po und erreichen unseren ersten großen Etappenort Turin.

Das Rifugio Pian del Re [4.9.14] liegt direkt neben der Quelle des Flusses Po (überlagertes Luftbild von Bing mit der Straßenkarte von Michelin).

Der morgentliche Fensterblick zum Mont Viso verrät nur Gutes! Wir schauen in die alpine Bergregion und vor uns liegt die Quelle des Flusses Po! Die Lage des Rifugio ist einmalig (links der Mont Viso, mit 3.841m höchster Berg der Region).

Wir machen uns an die Abfahrt: Nach kurzer Zeit schon verschwindet das Rifugio am Horizont und der Po stürzt sich in die Tiefe, genau wie auch wir auf dem Rad! Herrliche Rückblicke in die Bergwelt auf der schmalen Straße ergeben sich; und vor uns breitet sich das Tal des Po aus. Mit ein paar Serpentinen vor dem Mont Viso begleiten wir den Po hinunter.

Unversehens finden wir uns am Ausgang des Tals in die Poebene wieder. Immer wieder werden wir den Po überqueren, fahren auf kleinen und kleinsten Straßen durch landwirtschaftlich genutzetes Gebiet - hier ein kurzer Stopp in San Firmino - und kehren zum Mittag schon recht spät um 14:40 ein: Das Restaurant scheint geschlossen, die Tür ist aber nicht verschlossen; der Inhaber fragt dennoch nach unseren Wünschen und per Zuruf in die Küche zu seiner Frau wird Gnocchi al Ragu zubereitet! (In diesem Restaurant bin ich nicht das erste Mal: Auch mit Jan habe ich hier 2001 nach der Ausfahrt aus den Alpen schon gegessen!)

Im Ort selbst ist unser nächster Ort als Fahrradweg ausgeschildert: So radeln wir am alten Bahnhof vorbei auf alter Bahntrasse abseits der Hauptstraße. BTW: Überraschend pragmatisch und konzeptionell gut gemacht ist die Ausschilderung für Fahrradfahrer in Italien bisweilen! Zwar gibt es von Region zu Region unterschiede in der Qualität und der Art der Wegweisung; aber die Ausschilderung war verläßlich und die Radstrecken angenehm und meist KFZ-frei zu fahren! Am frühen Abend erreichen wir Turin, bummeln etwas am Po entlang und durch die Stadt und lassen uns zum Abendessen an der Via Po/dem Piazza Vittorio Veneto nieder.

10. Tag: 22.8.14
Turin - Casale Monferrato
83 km, 450 Hm

Obwohl wir heute dem Po folgen, geraten wir in hügeliges Gelände und kehren zu unserer Überraschung in einer Cantina ein.

Morgens dann zuerst der Blick vom Balkon: Ja, der Po ist noch da! Wir nutzen den Vormittag zur Besichtigung von Turin: Zuerst steuern wir das Wahrzeichen von Turin an, welches auch auf der 2 Cent-Münze abgebildet ist: Die ehem. Synagoge, die uns später noch mal unterkommt. Ein eigenwilliger Bau, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat! [5.9.14] Leider öffnet der Aufzug erst in einer Stunde ...:-(

Weiter kommen wir an diesem etwas merkwürdigen Bau vorbei, dem sog. Palazzo Madame: Ist es ein antikes, römisches Stadttor? Oder Festungsanlage, fürstliche Residenz, repräsentativer Stadtpalast? Es ist einfach von allem ein bißchen:-) [8.9.14]

Nach der großangelegten Straßen Via Po, dem Palazzo Reale, dem Dom und dem Piazza San Carlo verlassen wir die Stadt über den Po (wo wir abends zuvor noch gesessen hatten); hier noch Brücke, Staustufe um die Piazza Vittorio Veneto im Hintergrund. und

Der Fluß nimmt jetzt schon ein sehr breites Bett ein. Und zu unserer Freude informieren immer wieder Schautafeln über den Verlauf des Ciclovia del Po! Wir wählen die offenbar etwas hügeligere südliche Route vom Po ..., und geraten in die tolle Landschaft des Monferrato! So verlassen wir die Ebene und steigen vorbei an Weinhügeln leicht an. In Cantavenna di Gabiano Monferrato (immer wieder wird auf die touristische Gegend der Flußlandschaft hingewiesen) verlangsamt sich dann auch unsere Fahrt aus verschiedenen Gründen: Zum einen ergeben sich tolle Ausblicke über den Fluß in die Ebene; zum anderen zieht das Gebäude einer gewissen Cantina del Rubino [8.9.14] unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir können nicht widerstehen und erreichen an den Weintanks vorbei die Terrasse mit Blick in's hügelige Monferrato! Nach einem Glas Weißwein (ich: Moscato D'asti DOCG) entscheiden wir uns für einen Rotwein (ich: Rubino di Cantavenna "Riserva dal Vaslot DOC") und die vorher schon angebotene piatto misto:-)

So gestärkt erreichen wir durch leicht hügeliges Terrain - wir durchfahren den nördlichsten Rand des Monferrato - über Pontestura Casale Monferrato am Po. Hier kommen wir in einem eigenwillig eingerichteten Bed & Breakfast recht komfortabel unter. Der abendliche Rundgang macht uns schon mit einigen Sehenwürdigkeiten bekannt (später dazu mehr), z.B. dem Torre Civica. Abends esse ich einen selten guten insalata di frutti die mare! Etwas später bleiben wir noch in der Vinbar am Piazza Mazzini hängen ...

11. Tag: 23.8.14
In Casale Monferrato
- km, - Hm

Bei einem Regentag ohne Regen entschließen wir uns, Casale Monferrato ausgiebig zu besichtigen.

Schreck, wir werden vom Regen geweckt! Kein Wetterbericht hatte uns gewarnt: Weder die Tageszeitungen noch das Internet. Als bis um 11 Uhr keine Besserung - eher wird es schlimmer - eintritt und wir das Zimmer räumen müssen (ich habe auf eine Regenjacke wohlweißlich verzichtet!), verlängern wir um eine Nacht. Kurz darauf hört es auf zu regen und die Sonne kommt raus! Egal, Casale Monferrato hat einiges zu bieten:

Ok, die Synagoge von 1595 hat natürlich zu (es ist Samstag; laut Wikipedia "eine der schönsten Europas"); und es wird nicht das letzte Mal sein, daß uns der Wochentag einen Strich durch die Rechnung macht:-| (Später dazu mehr ...)

Wir sehen uns das ehem. Convento di Santa croce an, in dem das Stadtmuseum untergebracht ist, den Palazzo Gonzani di Treville (18. Jh.), die Cattedrale S. Evasio (wechselvolle Geschichte seit dem 7. Jh., fünfschiffig) mit seinem romanischem Narthex (Vorhalle; mit ungewohnt großen, sich durchdringenden Bögen), San Domenico (1472) mit seinem Renaissance-Innenraum (15./16. Jh.) und den Palazzo Natta Vitta (Giacomo Il Natta, Capitano della Guardia Ducale; 17./18. Jh.), der mich durch seine schlichte und dennoch monumentale Fassade beeindruckt (innen wohl mit eleganter, doppelläufigen Prunktreppe etc.)!

12. Tag: 24.8.14
Casale Monferrato - Certosa di Pavia
119 km, 85 Hm

Endlich wieder auf dem Rad: Glückstrunken und sonnenbeschienen fahren wir geradewegs in's Verderben!

Bei bestem Wetter verlassen wir Casale Monferrato: An großflächigem Reisanbau und Cascinas vorbei fahren wir südlich des Po auf Pomaro Monferrato, wo uns auch immer mal wieder ein einzelner Rennradfahrer, seltener eine Gruppe, entgegenkommt (rechts im Hintergrund das Castello). Dann erreichen wir - wie ich schon einige Male vorher - vor Valenza direkt am Po gelegen die elegische Trattoria del Ponte: Hier kehrer mir auf ein Getränk ein und genießen diesen Ort; unterhalb von uns am Fluß liegen Fischerboote. Wir überqueren mal wieder den Po und erreichen auf kleinsten Straßen den - wir haben Sonntag - noch elegischeren Ort Frascarolo: Der Tabacchi hat auf; es ist aber mehr ein Kramladen kleinster Güte. Ich bekomme Postkarten und es herrscht ein regelrecht reger Verkehr. Die Messe mag schon gelesen sein, so hängen die Männer im Schatten auf den Bänken ab.

Da die nächste Brücke über den Po eine Gewichts- und Breitenbeschränkung und ein LKW-Verbot aufweist, machen wir einen Abstecher und erleben eine alte, pflasterbelegte und abenteuerliche Brückenkonstruktion! Wieder auf kleinen Straßen und auf kilometerweit nicht geteerten Wegen auf dem Deich erreichen wir auf einer Nebenstrecke auf dem Deich Pavia mit seinem mächtigen Dombau!

Da wir schon am Nachmittag über die Ponto Coperto hier ankommen, haben wir geplant: Besichtigung der Stadt, Weiterfahrt nach Cerstosa die Pavia mit Hotel dort, Besichtigung der Certosa am nächsten Tag: Gesagt, getan! Zuerst sehen wir uns die Michelin-**-Sehenswürdigkeit San Michele an: Beeindruckend ist die leider komplett aus zu weichem gelben Sandstein erbaute und durch harmonische Steinmetzarbeiten bestechende Fassade mit charakteristischen Zwerggalerien im lombardisch-romanischen Stil! Eindrucksvoll ist auch das Apsisfresco, welches sich im Chorraum über der Krypta erhebt. In der Krypta haben mich die sehr schön dekorierten Kapitelle beeindruckt: Sie stellen Blätter von Pflanzen dar und Fabelwesen sowie Schlangenungeheuer und menschliche Wesen (STEREO).

Für eine Stärkung nutzen wir den historischen Hauptplatz Piazza della Vittoria: Bei Panino und Vino (vor dem Dom, oben und dem Rathaus - genannt Broletto, links) lesen wir Wissenswertes nach. Anschließend sehen wir uns den Dom an: An ihm wurde von 1488 bis 1898 gebaut; dementsprechend sieht der Innenraum eigenartig neu aus, während die Außenarbeiten unvollendet blieben. Innen beeindruckt die Kuppel, die mit 97m Höhe zu den größten Italiens zählt (STEREO) und die Form der Kirche eines lateinischen Kreuzes (STEREO). Bei der Ausfahrt aus Pavia fahren wir noch beim alten Castello Visconteo (von 1360) vorbei. Einst erstreckte sich der zugehörige Park über 10 km bis zur Cerstosa di Pavia, zu der wir am Kanal Naviglio di Pavia fahren. Dort an der Pforte angekommen, fährt mir der Schreck in die Glieder: Montags geschlossen! Natürlich, und heute ist Sonntag! Hätten wir daran gedacht, hätten wir natürlich die Besichtigung von Pavia und der Certosa vertauschen müssen! So ist die Fahrt zur Certosa und die Übernachtung hier im Hotel völlig sinnlos:-( Es bleibt also nur ein Blick durch das Schlüsselloch auf die Fassade der Michelin-***-Sehenswürdigkeit, die zu den bedeutendsten Bauwerken Oberitaliens zählt! So essen wir gut Risotto und trinken lokalen Wein aus der Region Oltrepo Pavese südlich des Pos, doch ein Rest an Frust bleibt.

13. Tag: 25.8.14
Certosa di Pavia - Piacenza
86 km, 110 Hm

Profimaterial sieht anders aus ...; aber der italienische Radhandel hat für alles eine Lösung.

Immer noch recht enttäuscht umrunden wir vor dem Verlassen die Certosa (aber es muß ja etwas bleiben, um wiederzukommen: 2015 und 2017;-) und umfahren Pavia östlich, um zum Po zu gelangen. Über kleine Straße immer in der Nähe des Pos kommen wir zum Ort Belgioioso und passieren hier den Stammsitz der Riso Principe S.p.A.. Wann immer möglich folgen wir dem Weg auf dem Deich, auch wenn dieser mal schlecht oder ungeteert sein sollte. Etwas später erleben wir, wie ein Traktor ein Reisfeld bewässert.

Und dann überqueren wir den Po etwas unfreiwillig: M. Klemm. entdeckt einen Schaden am Felgenhorn des Hinterrades! Wir suchen den Radhändler im 7 km entfernten Castel San Giovanni auf, der aber erst in zwei Stunden wieder öffnet. So machen wir verlängerte Mittagspause. Anschließend werden wir priorisiert behandelt und der Mechaniker tauscht die Felge, justiert Scheibenbremse und das verbogene Schaltauge in einer Stunde. Wir vertreiben uns derweil die Zeit im wirklich gut sortierten Radladen.

So schreiben wir den Zielort Cremona ab und fahren bis Piacenza (auf der Strecke südlich des Pos). Hier sehen wir uns zuerst den Dom mit seinen drei herrlichen Portalen (1563 umgestaltet) an, welche die ansonsten schlichte Fassade beleben: Dabei erinnern uns die Löwen des Hauptportals eher an Venedig. Hier essen wir auch zu Abend: Pizza mit Schinken aus dem nahen Parma, dazu ein lokaler Gutturnio. Dabei haben wir die Fassade des Doms mit seinen Zwerggalerien (1122-1233 erbaut) ständig im Blick.

14. Tag: 26.8.14
Piacenza - Sabbioneta
105 km, ? Hm

Fast ideal: Radfahren wie Gott in Frankreich!

Am nächsten Morgen fahren wir noch an der Kirche Sant Antonino mit seinem besonderen, achteckigen Turm und dem ehem. Rathaus Il Gotico aus dem 13. Jh. vorbei: Dieser Bau besticht durch seine gotisch-lombardische Architektur und seine wuchtigen, marmorverkleideten Arkaden im unteren sowie die Backsteinfassade mit Terrakottaverzierungen der Fenster im oberen Teil. Sehr schönes Detail: Im unteren Teil die Ringe zum Befestigen der Pferdehalfter und die Stufe zum Abteigen sowie der Übergang zwischen dem eckigen Fundament und den harmonischen Rundundungen der Pfeiler!

Zu den Radverkehrsanlagen in der Po-Region: Die Radwegweisung habe ich ja schon positiv erwähnt. Was aber gar nicht geht ist die durchgehende Benachteiligung bei der Vorfahrt: Ein Radweg endet bei jeder Ackerzufahrt - z.T. auch kombiniert mit einem Stopp-Schild! - und beginnt 5 m später wieder. Ansonsten verläuft der Ciclovia del Po mit guter Wegweisung auf meist asphaltierten Wegen fast ohne Verkehr auf dem Deich des Po! Erleichtert wird die Orientierung durch Vorwegweiser an Kreuzungspunkten mit Nah- und Fernzielen. So können wir den Blick auf den Po in vollen Zügen genießen, während wir autofrei auf dem Deich fahren! Und immer wieder - leider meist unterschiedliche gestaltete aber - sehr informative und detailreiche Hinweistafelna. (Oder vgl. auch hier: Sinistra Po Eurovelo 8 [7.9.14].)

Dem Po folgen wir weiter und auf Brücken mit über einem Kilometer Länge überqueren wir ihn zuerst auf die Südseite, später dann wieder auf die Nordseite (interessant mit Gitterfußboden und Blick auf den Fluß!), um Cremona zu erreichen. Hier sehen wir uns den eindrucksvollen Dom an: Im 12. Jh. erbaut bildet das Ensemble mit Glockenturm links (Torrazzo: 112m hoch, 1309 fertiggestellt, mit astronomischer Uhr) und Baptisterium rechts (1167 begonnen, in der Renaissance teilweise mit Marmor verkleidet). Mehr Details zum Dom hier. [7.9.14] In der heutigen Zeit werden wichtige Details kurzfristig online nachgeladen. (Im Hintergrund der Palazzo Comunale; vgl. Piacenza heute morgen.) Essen tuen wir dann in Sichtweite zum Dom lecker Risotto (mal mit Carciofini).

Für uns heißt es jetzt nur noch: Auf zu unserem Zielort Sabbioneta. Es geht dabei durch landwirtschatlich genutze Gegend vorbei an Cascinas, wobei das recht trübe Wetter den Eindruck noch verstärkt: Wir könnten mitten drin sein bei Michelangelo Antonionis 'Il grido'! Mit einer letzten Stärkung erreichen wir den UNESCO-Welterbe-Zielort Sabbioneta, den wir uns am nächsten Tag ausführlich ansehen wollen.

15. Tag: 27.8.14
Sabbioneta - Mantua
73 km, ? Hm

Von UNESCO-Weltkulturerbe zu UNESCO-Weltkulturerbe

Sabbioneta ist ein kleines Städchen von nicht 5.000 Einwohnern. Ursprünglich wurde es als Kunststadt (als geplante Stadt) nach idealen Vorstellungen entworfen: Sie war Verwaltungs- und Repräsentationssitz, beherbergt daneben einen Palast zur Entspannung und für gesellschaftliche Empfänge sowie ein Theater! Vespasiano, der adelige Sproß der jüngeren Gonzaga-Linie aus Mantua, wollte sein eigenes Ding machen und stampfte die Stadt aus dem Boden; um potentielle Kaufleute und Händler anzulocken, sollte diese Stadt auch etwas bieten auf dem Lande. Machen wir einen Rundgang:

Der Palazzo Ducale war als Herzogspalast Zentrum des öffentlichen Lebens und der Verwaltung. Von der herrschaftlichen Zeit aus den Jahren ab 1560 blieben allerdings nur die reich verzierten Decken (z.T. aus Libanonzeder) erhalten. Im hinterne Salone delle Aquile wurden zu Napoleons Zeiten die Wappen ausgelöscht und mit den Worten "Viva le Repubblica" übermalt, was die wechselvolle Geschichte des Hauses und dessen Alter unterstreicht. Der ganze Palazzo ist verschwenderisch groß und für das kleine Städtchen arg überdimensioniert.

Der Palazzo Giardino diente dem Herzog zu seiner Entspannung (und verfügte über einen rückwärtigen Garten). Der Baukörper ist recht zierlich; innen überwältigt aber der Fußbodenbelag aus verschiedenfarbigem Marmor; im Hintergrund die geschwungene Treppe in's Obergeschoß. Dort befindet sich auch der große Festsaal, an den ein Camerino delle Grazie anschließt: Einerseits diente er wohl den Damen zur Umkleide, andererseits ist er mit einer prächtigen Stuckdecke versehen sowie aufwendigen Grotesken verziert! An den Festsaal schließt dann die gewaltige, 96m lange Gallerie an: Der Corridor grande nella Piazza del Castello beherbergte die archaologische und sonstige Sammlung des Herzogs, zu dem nur ganz ausgewählte Besucher Zutritt hatten.

Als letzten Bau betrachten wir das Teatro all'Antica (1588-1590) näher: Von außen wie ein gewöhnliches Haus wirkend, wird der ganze Baukörper aber von dem Zuschauerraum mit der noch originalen Loggia mit korinthischen Säulen und dem Bühnenraum (mit einem Nachbau der verlorengegangen Kulisse einer städtischen Perspektive) eingenommen, nur getrennt durch den Orchestergraben. Vespasiano unterhielt hier bis zu seinem Tod eine eigene Schauspieltruppe! Danach durchmachte das Theater wie auch der ganz Ort eine lange Zeit der Dekadenz und war Getreidekammer, Lagergebäude, Kaserne und zum Schluß Kino.

Auf dem Rückweg statten wir der ehem. Synagoge der reichen jüdischen Kaufmannsschaft ab: Hier wird auch Bezug genommen auf den Bau in Turin. Ansonsten wirkt die Stadt sehr aufgeräumt, eher wie eine Filmkulisse in Cinecitta. Beim Verlassen durch eines der beiden ehem. Tore (Porta Imperiale) nehmen wir die komplett restaurierte Stadtmauer der sechseckigen Befestigungsanlage in Augenschein. Weitere Informationen zu Sabbioneta. [8.9.14]

Wieder auf dem Deichradweg passieren wir hier Buzzoletto vorbei: Die Wegweisung weist an den Orten dehr übersichtlich auf Gastronomie, Unterkünfte etc. hin. Von Einheimischen erfahren wir bei der Suche nach einem kleinen Imbiß, daß wir den gesperrten Abschnitt der Deichstraße mit dem Rad passieren können. Auf der weiteren Fahrt nach Mantua verlassen wir den Po und werden auf eine Brücke mit einer Maximalbelastung von einer Tonne über den Oglio aufmerksam gemacht: Beim Überqueren derselben verstehen wir dann, warum. Wieder auf dem Deich unterwegs werden wir sanft vom angenehmen Deichradweg heruntergelotst, um auf Nebenstrecken Mantua zu erreichen: Mantua teilt sich den Eintrag in die UNESCO-Welterbeliste mit Sabbioneta.

Abends schauen wir uns ein wenig in der Stadt um und setzen den Rundgang vor der Abfahrt am nächsten Morgen fort: Auffallen tut mir der Torre dell Orologio und der mittelalterlichen Rundkirche San Lorenzo (rechts) und natürlich der Palazzo Ducale (14.-17. Jh.); diese Gebäudeensembel liegen an zwei Plätzen, die mit einem dritten Platz in der Mitte eine eindrucksvolle städtebauliche Achse bilden! Abends essen wir in einer Seitenstraße, zum Nachtisch gibt es reichlich Sbrisolona ...

16. Tag: 28.8.14
Mantua - Ferrara
103 km, 65 Hm

... wir starten am Kanal Rio, der gegenüber unserem Hotel wieder an's Tageslicht tritt. Zurück am ersten Platz Piazza Erbe fällt mir das reich verzierte Haus "Casa del mercante" (von 1455!) auf: Es ist das ehem. Haus eines erfolgreichen und wohlhabenden Händlers, der dies zur Schau stellen wollte. Säulen mit reich verzierten Kapitellen stützen die Arkaden und Bänder aus Terrakotta umschlingen die Fenster und das gesamt Gebäude (gotisch, venezianisch, Renaissance). (Am mittleren Platz dominiert die Baustelle am Palazzo del Broletto, der komplett saniert wird.) Am dritten Platz der Folge Piazza Sordello dominieren wieder herrschaftliche Fassaden: Ganz zum Schluß am Eck zum Dom das bischöfliche Palais. Im fünfschiffigen Dom selbst war eine Beerdigung am Gange: Hier Haupt- und Seitenschiffe mit einem wilden Stilmix (rechts die Kanzel).

Wir verlassen Mantua über den zwischen den mittelalterlichen Stauseen Lago di Mezzo und Inferiore und wollten mal abseits des Po fahren über die Dörfer. Doch der Ort Villa Garibaldi auf der Michelin-Karte z.B. stellt sich als eine Geisterstadt heraus ohne Ortsschilder; Garibaldi Ost und West heißt hier nur die Straße:-| Und die schnurgerade Straße machte es gegen den Wind auch nicht einfacher ... Wir freuen uns auf eine Pause im Ort Ostiglia, doch den verlassen wir gerne über den Po, da er unangenehm von der Industrie beherrscht wird. Dem Deichradweg folgend ergibt sich eine Umleitung aus gegebenem Anlaß:-) Den schönen Deichradweg verlassen wir in Borgofranco sul Po, um die in Ostiglia verlorengegangene Pause nachzuholen: Im Restaurant Padus [11.9.14] bekommen wir Risotto Mantova (Riso alla pilota) vom allerfeinsten! Der Chefkoch verriet mir sein Rezept: Reis in der Brühe ansetzen, darunter den mit Butter geschmolzenen Käse geben; das liefere die cremige Konsistenz der Soße.

Etwas später kommen wir an einer Pumpstation von 1909 vorbei; welche Funktion diese gigantische Station hat, bleibt aber etwas im Dunkeln: Pumpt sie Wasser aus dem Po bei Niedrigstand in die Bewässerungskanäle oder Wasser aus Entwässerungskanälen bei hohem Pegel in den Po? (Oder dient es nur der Entwässerung zur Landgewinnung, da das Land unter dem Meeresspiegel liegt und nur durch die Deiche geschützt wird?) Wir folgen derweil - immer gut informiert durch Hinweistafeln - dem Po mit Sandbänken ganz entspannt, bis wir einen Bootshafen erblicken und uns der Hinweis: RIVER BEER neugierig macht. Der Hinweis galt allerdings einem Bierfest; und der Fischerclub in Felonica ist rein privat. Das hielt aber niemanden ab, uns auf einen Becher Wein einzuladen. So saßen wir mit drei Fischern auf dem Po und genossen die absolute Ruhe der Natur! (Auf die Frage, warum es denn keinen regen Frachtschiffverkehr auf dem Po gäbe lautet die Antwort: "Vor der Krise schon ...")

Wir folgen dem FE 20/FE101 nach Ferrara, dem sog. La Via del Grande Fiume mit wie immer guter Wegweisung! Über eine ausgedienten Eisenbahnbrücke wird der Radweg an einem Kanal entlanggeführt, sodaß wir recht mühelos die Innenstadt von Ferrara erreichen. Hier sehen wir uns zuerst die Kathedrale an mit seiner imposanten Fassade im romanischen Stil mit den Loggien. Der Innenraum beeindruckt mit einer Weitläufigkeit und einem immensen Raumgefühl! (STEREO) Hinten erhebt sich der Glockenturm im Stile der Renaissance (15. Jh., nicht fertiggestellt); vorne die Loggia dei Merciai, die im Mittelalter schon die Läden der Händler enthielt. Am nächsten Morgen besuchen ...

17. Tag: 29.8.14
Ferrara - Porto Tolle
130 km, 42 Hm

Auf zur letzten Etappe: Wir erreichen das Delta del Po.

... wir die Synagoge, die leider wegen Erdbeben geschlossen ist?! Den Corso Ercole I d'Este fahren wir noch entlang der mit seinen Palazzi und seiner ursprünglichen Art die schönste Straße Italiens sein soll (wenn nicht des gesamten uns bekannten Universums!): Hier die Palazzi dei Diamanti, Prosperi Sacrati und Turchi di Bagno (v.l.n.r.).

Weiter geht es: Das Wetter ist - wie immer - sehr prächtig! Wir wählen den südliche Arm des Po, Po di Volano. Es geht recht unspektakulär vorbei an endlosen Feldern, man könnte auch sagen: Einigermaßen langweilig. Einziges belebendes Element ist der Arm des Po und der Blick vom Deich ..., bis wir Lido di Volano erreichen. Aber auch hier liegt das Meer hinter einer dichten Vegetationszone:-( Bei der Querung des Po di Volano sehen wir die intensive Nutzung durch Fischerei. Am Po di Volano zurück in's Landesinnere erreichen wir - mit einer Stärkung - die Abbazia di Pomposa: Im 9. Jh. siedelte sich hier eine Abtei der Benediktiner an. Das Innere des romanischen Kirchenschiffes ist vollkommen von Fresken bedeckt (14. Jh.). Besonders sehenswert sind auch die Bodenmosaike (meist 1150) und die Verzierung der Vorhalle: Sie weist Terrakottabänder und eingemauerte -schalen auf und einzigartig verzierte Rundfenster orientalischen Ursprungs.

Flach dahin geht es durch endlose Felder, bis wir Porto Tolle erreichen: Der Ort, ein Straßendorf, an sich ist eine herbe Enttäuschung! Doch ganz am Ende der Reise gibt es ein sehr authentisches Erlebnis: "Musicassociando 2014"! (Vielleicht: "Mit Musik verbinden" oder "Musik verbindet") Jedenfalls ist der ganze Ort auf den Beinen und involviert! Das Programm ist - genau wie italienische Fahrradtrikots - buntest gestaltet und alle Schriftarten kommen zum Einsatz (*graus*). Geschätzt bin ich der einzige Ausländer auf dem Fest; M. Klemm. hatte sich nach dem Abendessen schon zurückgezogen. Der Abend beginnt mit der Präsentation von Musik- und Tanzdarbietungen, die Betreuer mit Kindergruppen aller Altersstufen einstudiert haben. Dieser Teil endet mit dem Malen eines Plakates "Europa sono io!". Alle haben dabei einen Heidenspaß! Ich sehe mir dann noch die Gesangsdarbietungen einiger Jungendlicher an und das Highlight, die Muse tribute band "Knights of Cydonia". ... und beim Biermarkenverkauf bekomme ich zum Schluß noch 'a small discount'; wie nett:-)

18. Tag: 30.8.14
Porto Tolle - Venedig
101 km, 56 Hm

Wir beenden die Radtour entlang des Po und erreichen den letzten Etappenort Venedig.

Durch die Lagunen wollen wir heute das Delta del Po verlassen nach Norden, um über die Lidos Venedig zu erreichen. Dazu nähern wir uns dem Hauptarm des Po (Po di Venezia) - Rückblick auf den Po und Porto Tolle - und überqueren etwas wehmütig den Fluß, der sich zu einem wahren Strom entwickelt hat: Hier der Vergleich! Wieder gut geführt folgen wir dem I3, einer offiziellen Route des Radtourismus in Venetien (Meerestour: Die Litoranea Veneta) [11.9.14]. Diese führt uns an Lagunen vorbei entlang des Po di Maistra (rechts hinter'm Deich) und gewährt uns - im Gegensatz zum vorigen Tag! - eindrucksvolle Blicke über die Lagunen bishin zum offenen Meer!

In Porto Levante allerdings ist Schluß: Die Fähre für Fußgänger und Radfahrer über den Po di Levante fährt offenbar nicht:-( Ich spreche Personen in kleinen Booten an und habe beim zweiten Boot schon Glück: Er will uns übersetzen, hat nur keinen Sprit und bis zur Tankstelle sind es 50m! Die erreichen sie dann, tanken und wir verladen die Räder und steigen zu. Beim Starten des Motors allerdings versagt die Batterie: Alle! Ein weiteres vorbeikommendes Boot gibt Starthilfe und so erreichen wir das andere Ufer, um unsere Fahrt zwischen Lagune und Po di Levante auf dem I3 fortsetzen zu können:-) Immer auf schmalen Straßen ohne nennenswerten Verkehr passieren wir einsam gelegene Häuser; selten kommt uns auch mal ein Rennradfahrer entgegen. Durch diese traumhafte Seenlandschaft erreichen wir Chioggia, welches auch als Klein-Venedig bekannt ist. Das ehem. Stadttor Porta di Santa Maria Assunta von 1520 (der Markuslöwe als Wappentier von Venedig symbolisiert dabei die ehem. Herrschaft über die Stadt) passieren wir und erkunden den morbiden Charme der Stadt mit seinen auch malerischen Ecken.

Von der Fähre fällt der Blick zurück auf die Stadt und auf die Laguna Venezia; nach kurzer Fahrt erreichen wir mit Pellestrina den nächsten Lido auf unserem Weg nach Venedig. Wir finden ein Restaurant, welches uns lecker Meeresfrüchteteller zubereitet! Dabei fragen wir uns: Sind "Kartenspieler" eine von Touristen erwartbare Folklore in ital. Dörfern? Oder gehören sie zu einer aussterbenden Spezies? Egal, wir folgen dem Radweg E5 auf dem Lido nach Norden recht malerisch und können einen Blick riskieren über den Deich auf das offene Meer! Über San Pietro in Volta (Rückblick entlang der Laguna Venezia) erreichen wir ganz entspannt den Fähranleger in Santa Maria del Mare, der uns wieder in kurzer Fahrt über die Laguna Venezia auf den Lido die Venezia bringt mit Fahrt auf Venedig. Vorbei am Fähranleger der Vaparettos Lido S.M.E. (die keine Räder mitnehmen) fahren wir zur Autofähre San Nicolo und fahren auf den Canale della Guidecca des abendlichen Venedig.

19. Tag: 31.8.14
In Venedig und Rückfahrt
- km, - Hm

Venedig sehen und sterben.

Dieser letzte Tag ist als Ruhe- und Besichtigungstag geplant: Die Räder parken im Garten des Hotels und wir wollen Venedig zu Fuß erkunden. Dabei passieren wir immer wieder eindrucksvolle Palazzi, so auch den Dogenpalast und den Markusplatz. Wir machen uns auf den Weg zur Architektur-Biennale (z.T. im Arsenale di Venezia): Hier beeindruckt mich am meisten ein Cafe mit seiner interessanten und extrem außergewöhnlichen Inneneinrichtung! Zum Schluß kommen wir noch am Portal Ingresso di terra vorbei: Ein interessantes Areal, mehr dazu hier [11.9.14]!

Ich selbst hole am Abend mein Rad samt Gepäck aus dem Hotel und mache mich auf den kurzen Weg zum Bahnhof Santa Lucia (während M. Klemm. zum Flughafen unterwegs ist) und verstaue Rad und Gepäck, da der österreichisch/deutsche Zug schon bereit steht. Mit netten Abteilnachbarn wird die Rückfahrt sehr kurzweilig ...

Abreise

...; da das Wetter in München zu Wünschen übrig läßt, nehme ich direkt den nächsten ICE nach Frankfurt, wo mich die Sonne erwartet aber ungewohnt niedrige Temperaturen: So fahre ich gleich weiter in die Sauna ...:-)

Fazit

1. Unbedingt in Frankreich am WE 15./17.8. vorbuchen! 2. Sonntag einen Termin vormerken, der an den folgenden Montag erinntert, an dem viele Museen/touristischen Ziele geschlossen sein könnten! 3. 1844 km gesamt sind ein gutes Training: Das Gewicht stimmte nach der Tour perfekt und das Laufen ging leicht von der Hand ... äh, dem Fuß.

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