Vorbemerkungen

Griechenland kann im Winter schön warm sein; aber eben auch regnerisch:-| So habe ich mich dieses Jahr für eine Touristiktour mit Rennrad und Behindset am Mittelmeer von Marseile nach Barcelona entschieden. Die Anreise mit dem durchgehenden TGV, dem geräumigen 1. Klasse-Abteil und den günstigen Frühbuchertarifen ließen die Wahl des Startortes nicht schwer fallen. Und im Gegensatz zu 2012 will ich mir bestimmte Orte etwas genauer ansehen: Die Landschaften von Cezanne und Van Gogh, die Hügel und Berge der Katharer und die letzte Wirkungstätte meines Lieblingsarchitekten Charles Rennie Mackintosh [23.12.2014] in Colliour und Port Vendres an der Grenze zu Spanien. Wenn noch Zeit ist, gelingt vielleicht noch der Abstecher nach Monestir de Poblet, welches ich 2010 habe links liegen lassen oder von Barcelona aus mit der Fähre nach Mallorca. Für die Rückfahrt habe ich die TGV-Tagesverbindung über Paris gewählt; aber nur, weil das gute alte Trenhotel (der Elipsos S.A.) [23.12.2014] nicht mehr fährt:-| (Später dazu mehr ...)

Marseille - Barcelona 2014/15:

Photo - Rennrad - leichtes Gepäck = Behindset:
Bezeichnend: Die Wetterlage in Europa

12 x Sonne + 2 Ruhetage = 1.200 km

Landkarte mit der gesamten Route: Marseille - Barcelona

Anreise

Die SNCF hat noch Sparpreise im Angebot: So entscheide ich mich für die Anreise mit dem durchgehenden TGV von Frankfurt nach Marseille im großzügigen 1. Klasse-Mehrzweckabteil. In Marseille komme ich unspektakulär in meinem Standardhotel unter.

Frankreich

Tag 1, 25.12.2014: Marseille - Salon-de-Provence

Das Wetter in der Lokalpresse verspricht schönes Wetter; nur der Wind - der Mistral! - wird mir etwas zusetzen. Über Gardanne, Meyreuil und Le Thonet - alles Stationen des Malers Cezanne in der Provence, die mehr oder weniger gut beschildert sind - erreiche ich Aix-en-Provence: Hier fahre ich durch das fast ausgestorbene Zentrum (1. Feiertag) am Uhrturm vorbei um mir noch das ehem. elterliche Anwesen und spätere Wohnhaus und Arbeitsplatz Cezannes, Jas de Bouffan, anzusehen. Ich entscheide mich aber wegen des Wetters und der noch vorhandenen Zeit, weiter nach Salon zu fahren. Dafür wähle ich die landschaftlich reizvolle Strecke unter dem großen Aqueduc de Roquefavour hindurch. Durch Weinanbau erreiche ich Salon-de-Provence: Hier sind die ersten beiden Hotels voll belegt; ein paar Telefonate mit den an der Touristinfomation angeschlagenen Hotels ergibt eine günstige Übernachtung im Zentrum. Da alle einheimischen Restaurants geschlossen sind, wähle ich das Quick-Schnellrestaurant. 106 km, Ø 19,5 km/h, 5:25, ~9-23°C

Tag 2, 26.12.2014: Salon-de-Provence - Le Grau du Roi

Der heutige Tag gilt dem Maler Van Gogh; allerdings schiele ich auch auf die Wettervorhersage ..., später mehr dazu! Zuerst einmal verlasse ich Salon vorbei am Uhrturm von 1664 (ehem. Tor der Stadtbefestigung) und durchquere auf kleinen Straßen die Bergkette der Alpillen: Eine sehr nette Gegend, die mir auf der Abfahrt der Nordseite dann einen Blick auf den Mont Ventoux gestattet (den ich im Sommer gefahren bin). Auf einer kilometerlangen Allee (linkerhand die Alpillen) erreiche ich St. Remy: Hier sehe ich mir einige Bildtafeln an, die vom Aufenthalt Van Goghs zeugen und den Weg weisen zum ehem. Kloster Saint-Paul-de-Mausole (Kreuzgang), in dem er kurz Zeit gelebt hat (damals Nervenheilanstalt). An der alten Römerstadt Glanum fahre ich vorbei, sehe mir aber den Stadtbogen und das vollständig aus der Römerzeit erhaltene 18 m hohe Mausoleum noch an; unglücklicherweise ist die Klemmschraube der Sattelstütze gerissen:-( Dafür muß ich in Arles noch Ersatz besorgen! Und dann wird es mit dem Ziel Le Grau du Roi auch schon knapp ... Ich nehme also die landschaftlich sehr schöne Strecke über die Alpillen und passiere den Touristenort Les Baux-de-Provence (wo über die Feiertage Almauftrieb herrscht). In Arles sehe ich mir den ehem. Standort des "gelben Hauses", das zentral gelegene große römische Amphitheater an sowie die wiederhergestellte alte "Cafeterrasse am Abend". Dann besorge ich mir im Decathlon eine neue Sattelklemme und fahre durch die Camargue - hier schmeichelt der Mistral im Rücken! - zuerst nach Aigues Mortes; wegen einsetzender Dunkelheit geht es aber gleich weiter nach Le Grau du Roi: Für morgen sind Wolken und Regen angesagt, so will ich einen Ruhetag einlegen und mir - wie auch 2012 schon - das Seaquarium ansehen. Abends gibt es dann ein Menü, welches mit einem Meeresfrüchtesalat beginnt und von einem lokalen Wein, dem 2011 Domaine de Montcalm Blanc des Sables Prestige Sable De Camargue, begleitet wird. 126 km, Ø 22,0 km/h, 5:45, ~6-17°C

Tag 3, 27.12.2014: Ruhetag in Le Grau du Roi

Wie angekündigt ist der Himmel grau und es tröpfelt leicht am Morgen, wo ich zum Cafe auf die andere Kanalseite hinübergehe. Der Blick in die Presse bestätigt die Vorhersage der letzten Tage. So gehe ich wie geplant in das sehenswerte Seaquarium, welches sich direkt am Meer befindet. Hier verbringe ich den gößten Teil des Tages, schaue dem Oktopus, wie er sich im Wasser bewegt und scheinbar auf die Besucher reagiert oder anderen farbenfrohen Fischen zu. - km, Ø - km/h, - , 3~12°C

Tag 4, 28.12.2014: Le Grau du Roi - Narbonne

Heute setzt sich das sonnige Wetter fort: Ein Blick über den Kanal zum Leuchtturm und über's Meer verrät das. Und die Tagesspresse sagt weitere sonnige Tage voraus, während ich frühstücke. Der Küste folge ich - an Montpellier vorbei - Richtung Südwest. Meist direkt am Meer oder den Etangs entlang komme ich nach Sete, welches wegen der Kanäle auch kleines Venedig des Languedoc-Roussillon genannt wird. Jetzt zwischen Bassin de Thau und Mittelmeer auf einem schmalen Streifen - auf dem auch der TGV fährt - hinter den Dünen gelange ich später über den Canal du Midi und nach Beziers: Ein Wolkenband verschattet gerade die Sonne, so daß die alte Brücke und darüber trohnende Kathedrale nicht richtig zur Geltung kommen:-(Genau wie die Ecluses de Fonseranes, eine gigantische Schleusentreppe des Kanals!) Auf Nebenstrecken und durch Weinfelder bei untergehender Sonne erreiche ich Narbonne; hier komme ich recht günstig fast direkt neben der Kathedrale im Hotel de Paris unter. 138 km, 22,0 Ø km/h, 5:45, 5~17°C

Tag 5, 29.12.2014: Narbonne - Carcassonne

Vor der Abfahrt frühstücke ich in den umliegenden Cafes direkt am Platz vor dem Rathaus (mit Flagge; links der Tour Saint-Martial und rechts der Palast des Erzbischofs; ganz rechts die Kathedrale, später mehr dazu). Der erzbischöfliche Palast beherbergt das Museum für Kunst und Geschichte; außerdem verfügt es über eine monumentale Prachttreppe über zwei Stockwerke, nicht nur damals ein Hingucker. Dann sehe ich mir noch die Kathedrale (1272) an, welches eigentlich eine Bauruine ist, da nur der Chor fertig wurde. Der Innenraum gehört mit 41 m zu einem der höchsten Frankreichs. Von außen ist gut zu erkennen, daß es hier mal weitergehen sollte. Da die Etappe heute 'recht kurz' sein soll, schaue ich mir auf dem Weg noch die Abbey de Fontfroide (Gründung 1093/Anschluß an den Zisterzienserorden 1146, Innenhof) an: Es soll sich um eines der besterhaltenen Klosterbauten des Zisterzienserordens handeln! Hier die Zwillingssäulen mit ihren vielseitig verzierten Kapitellen des Kreuzgangs. Beeindruckend schlicht und groß die Abteikirche: Das Mittelschiff und ein Seitenschiff. Alle Baukörper sind gut erhalten, genau wie der alte Vorratskeller auch. Zurück auf der Hauptstraße fahre ich weiter durch Weinfelder gen Westen: Und wie auch vorher schon bläst mir der Tramontana mit angekündigkten 60~90 km/h entgegen: Die Fahrt ist ermüdend und der ständig an mir zerrende Wind nervt nur noch! Jede Abwechslung - z.B. in Form eines weiten Blicks in die Landschaft - ist willkommen. In Lagrasse, einem netten kleinen Ort mit Hotel, passiere ich die Abbey Sainte-Marie mit ihrem unvollendeten Glockenturm von 1537. Hier im Tal ist der Wind gottlob nicht so konstant streng. Auf Nebenstrecken erreiche ich dann über einen kleinen Höhenzug Carcassonne mit seiner alten Festungsstadt. Ausgezehrt freue ich mich über ein wohlig beheiztes Hotelzimmer unterhalb der alten Stadt. Abends mische ich mich unter die Touristen und probiere - auf Empfehlung meines Hoteliers - Cassoulet, einer südfranzösischen Spezialität der Region. Aber dieses schmackhafte, etwas fettige und mächtige Gericht liegt mir anschließend schwer im ausgehungerten Magen. Denn Einkehrmöglichkeiten hier in den Corbieres-Bergen sind bisweilen rar ... 87 km, Ø 17,0 km/h, 5:07, 3~7°C

Tag 6, 30.12.2014: Carcassonne - St-Paul-de-Fenouillet

Diesen Morgen mache ich mich nach einem Frühstück aus Früchten und Fruchtsaft etwas geschwächt und übermüdet auf den Weg: Es erwartet mich eine traumhaft schöne wie einsame Strecke quer durch die Corbieres-Berge bei bestem Wetter! Nach anfänglichen Wolken zeigt sich die Sonne, die aber die vereisten Skulpturen am Wegesrand nicht aufzutauen vermag. Und je weiter ich aus den Tälern aufsteige, desto mehr Schnee liegt abseits der Fahrbahn. Und ab 600 m Höhe gibt es auch Schnee und Eis auf der Fahrbahn (wie hier auf meinem ersten Paß, dem Col de la Louviero, auf Höhe 599 m). Die Zwischenabfahrt nach dem Ort Lairiere gibt dann einen schönen Blick auf die schneebdeckten Kuppen frei. Im Tal der Orbieu passiere ich dann im Ort Montjoi die Schlucht, schon sehr eindrucksvoll! Allerdings gab es bisher und wird es bis zu meinem Zielort keine Möglichekt der Einkehr geben: Das Restaurant an der Pont d'Orbieu ist geschlossen: Eine der wenigen Einkehrmöglichkeiten. Aber die Etappe heute ist nicht sehr lang und ..., der Tramontana schmeichelt mir heute im Rücken:-) So mache ich mich nach Auriac an den nächsten Paß, den Col de la Redoulade, 752 m. Sowohl bei der Auf- wie bei der Abfahrt muß ich streckenweise schieben: Eis und Schnee auf der Straße vertragen sich nicht mit Rennradreifen. Die Corbieres-Berge verlasse ich jetzt recht spektakulär durch die Gorges de Galamus; hier aber noch im unspektakulären Bereich: Die Straße führt in den Fels gehauen an einer 100 m steil abfallenden Bergflanke entlang! Zum Schluß ergibt sich dann ein Blick über das Tal hinüber auf mein Tagesziel St-Paul-de-Fenouillet und den dahinter liegenden Gebirgszug Le Fenouillede. Der Ort selbst scheint nicht gerade zu prosperieren - beim Ortsrundgang werfe ich einen Blick in die Wetteraussichten: Es bestätigt sich der heftige Tramontana auch für den nächsten Tag! - doch es gibt ein nettes Hotel am Ortsausgang, wo ich auch essen kann. 89 km, Ø 16,8 km/h, 5:16, -°C

Tag 7, 31.12.2014: St-Paul-de-Fenouillet - Perpignan

Bei der Abfahrt lasse ich das Hotel links liegen, steuere eine weitere Überquerung der Bergkette im Hintergrund an und erreiche mit mächtigem Rückenwind (Motortraining!) Maury (mit der Weinkooperative). Zuerst mit Gegenwind (Erinnerungen an vorgestern werden wach!), dann wieder mit Rückenwind erklimme ich die Auffahrt zum Paß Grau de Maury, 432 m. Dabei ergibt sich ein phantastischer Rückblick über das Fenouillede und auf den dahinter liegenden Hauptkamm der Pyrenäen! Bis Tuchan folge ich jetzt dem Verlauf der Tour von 2012, in umgekehrter Richtung, u.a. nach Padern durch die Schlucht der Verdouble, wo es eine alte aufgelassene Siedlung um eine Mühle gibt. Nach einer Pause in Tuchan fahre ich am alten Chateau d'Aguilar der Katharer vorbei über einen Zwischenbergrücken in Richtung Vingrau und Perpignan, von wo sich ein schöner Rückblick auf die Pyrenäen bietet. Nach Vingrau gibt es einen weiteren kleinen Paß - Ras de l'Escale mit 271 m - bei dessen Abfahrt sich dann die Ebene bishin zum Meer ausbreitet sowie die Ausläufer der Pyrenäen, das Massif des Alberes, in den Blick kommen. Da ich noch immer etwas geschwächt bin, tut mir der Rückenwind und die zum Meer hin steigenden Temperaturen gut. Bei der Ortsdurchfahrt von Espira-de-l'Agly fällt mir noch diese Kirchenfassade auf - wobei die 'Fenster' eher an Schießscharten erinnern! - (vgl. später dann die Kirche in Valls). In Perpignan komme ich dann wieder im Zentrum nahe dem Castillet (links; gehörte zur mittelalterlichen Stadtbefestigung) im Hotel de France (von 1833) unter. Und abends schmeckt der Wein zur Pizza auch schon wieder! 73 km, Ø 20,9 km/h, 3:30, -°C

Tag 8, 1.1.2015: Perpignan - Port Vendres

Über Cabestany und Canet-Plage erreiche ich die Küste des Mittelmeers. Auf einem schmalen Dünenstreifen mit Blick auf die Pyrenäen fahre ich nach Süden; die Dünen trennen den Etang de Canet de St. Nazaire vom Mittelmeer. Und nach Argeles-Plage - mit seinen frühen Villen am Meer - erreiche ich die bis in's MIttelmeer reichenden Ausläufer der Pyrenäen: Hier mache ich Halt bei meinem 'Lieblingsweingut' Domaine Reno [15.1.2015], einem unabhänigen Winzer; leider hat er aber keine halben Flaschen im Verkauf:-( Das Weingut liegt malerisch an der Cote Vermeille. Etwas später erreiche ich Colliour: Wie immer ist der Ort touristisch vollkommen überlaufen; ich lasse mich etwas durch den Ort treiben, sitze in der Sonne und probiere einen Banyuls, sehe mir die Reproduktonen der Aquarelle von Charles Rennie Mackintosh [15.1.15] an und entschließe mich recht schnell, nach Port Vendres, einem der Aufenthaltsorte Mackintoshs, weiterzufahren. Der Museumsbau Le Dome, der ein Mackintosh-Museum beherbergt, hat leider geschlossen:-( Ich hatte mich so auf einen Besuch gefreut! So schaue ich mir nach dem Einchecken im Hotel LE SAINT ELME** den Art Trail an; z.B. die Reproduktion The Fort Mailly am Originalplatz. Den Abend verbringe ich im Le Bistrot du France; hier hängen die philippinischen Seemänner des Frachters, der im Hafen liegt, die Zeit ab. (Jessi spricht gut Englisch: 9 Monate sind sie insgesamt auf See, 3 Monate haben Sie noch vor sich, dann sind sie daheim bei der Familie. Italien, Agadir und Südafrika lauten ihre Ziele. Wegen des Feiertags Neujahr haben sie nichts zu arbeiten und halten mit ihren Smartphones dank WLAN den Kontakt nach Hause.) Ich gehe noch im Hafenrestaurant essen; starten tue ich mit einer Assiette Mer. 54 km, Ø 18,7 km/h, 2:53, ~7°C

Tag 9, 2.1.2015: Port Vendres - Palamos

Mit - wie eigentlich immer - sonnigem Wetter starte ich mit einem Rückblick auf Port Vendres. Ich will Spanien erreichen und fahre entlang der beeindruckenden Küste durch Weinberge. Kurz vor der Grenze erreiche ich auf französischer Seite Cerbere.

Spanien

(Tipp: Das spanische Grenzstädtchen Portbou ist lebendiger und sehenswerter!) Da ich in Perpignan zwei Schadstellen an meinem hinteren Reifen festgestellt hatte, bin ich seitdem auf der Suche nach einem Radladen. So nehme ich die kurvige und fast bergige Küstenstraße in Spanien entsprechend vorsichtig. In Llanca dann frage ich nach einem Radladen und werde zu einem versteckt in der Innenstadt gelegenen Laden geschickt: Eigentlich handelt es sich um einen MOTOS MACAU TALLERES PARA MOTOCICLETAS, der auch ein paar Fahrräder in der Werkstatt hat. Den einen Rennradreifen, den ich sehe, zieht der Mechaniker dann geschwind auf (im Hintergrund). Diese Gelegenheit nutze ich anschließend zur Besichtigung der auch im Zentrum gelegenen Kirche von Sant Vicenc, die über eine sehr schöne Zugangstreppe und ein reich verziertes Portal verfügt. Anschließend durchquere ich den Parque Natural Cap de Creus mit herrlicher Landschaft. Dazu steigt die Straße an - den Abstecher nach Cadaques spare ich mir aber: Meist ist der Ort wie Collioure touristisch überlaufen und meine heutige Etappe ist eine der längsten; es soll bis Palamos gehen! - um dann in die schönste Abfahrt der gesamten Tour überzugehen: In flotter, geschwungener Fahrt geht es mit beeindruckendem Blick über die Ebene bis hin zu den Pyrenäen hinab! An Roses vorbei, nur mit kurzem Stop in Sant Pere Pescador, an L'Escala vorbei, mit einem Rückblick auf unserer alten Trainingsstrecke von 2010 geht es zügig durch die Ebene, so daß ich zum Sonnenuntergang Palamos erreiche. 136 km, Ø 23.1 km/h, 5:52, -1~17°C

Tag 10, 3.1.2015: Palamos - Sant Hilari Sacalm

Wenn ich das geahnt hätte: Unten im Komplex meines Hotels ist ein super ausgestatteter Radladen untergebracht! Aber technische Probleme habe ich ja jetzt nicht mehr:-) Vor der landschaftlich schönen Strecke entlang der Costa Brava fallen mir noch architektonisch interessante Gebäude (etwas eingekeilt) in Sant Feliu de Guixols auf, wie auch dieses arabisch anmutende Cafe (Nou Casino la Constancia). Dann gibt es wieder einen landschaftlich extrem schönen Abschnitt: Auf wechselnder Höhe fahre ich - wie auch andere Rennradfahrer - an der Steilküste entlang, immer wieder mit Blicken auf's Meer und in verträumte Buchten! Vor Tossa de Mar verlasse ich aber im Gegensatz zu 2012 die Küste und fahre zur ca. 360 m hoch gelegenen Ermita de Sant Grau: Hier kehre ich wie auch andere Rennradfahrer im Cafe zu einer Pause ein und sehe mir die Kirche an. Auf der Abfahrt in's Landesinnere ergibt sich immer wieder ein beeindruckender Blick auf Llagostera mit dem dahinter liegenden schneebedeckten Hauptkamm der Pyrenäen! Das nahe gelegene Caldes de Malavella besichtige ich: Hier haben schon die Römer eine Therme betrieben, welche von den nahen 50-60°C heißen Quellen gespeist wurde genau wie die in der Stadt vorhandenen öffentlichen Brunnen. Das Wasser fülle ich mir sogleich in die Trinkflasche: Es ist warm und schmeckt eisenhaltig; den Quellen werden heilende Wirkungen zugeschrieben. Eigentlich wollte ich hier in den Balneari Prats, den alten Bädern [17.1.2015] übernachten; allerdings bin ich zu früh hier angekommen. So mache ich nur Pause im Cafe und studiere die Wetteraussichten. Da sich die Abfahrt in Palamos um eine Stunde verzögert hat - der Chef hat vergessen, Brötchen zu besorgen! - stellt sich die Frage des Tagesziels: Als ich Sta Coloma de Farners erreiche sagt mir der Ort für eine Übernachtung nicht zu. Ich entscheide mich, auch wenn es zeitlich etwas knapp werden kann, für eine Weiterfahrt in die Berge in das auf 800 m Höhe gelegene Sant Hilari Sacalm. Nur selten liegt jetzt die Straße noch in der Sonne. Zur Abenddämmerung erreiche ich den Ort; viele Hostals sind aber saisonal bedingt geschlossen. Ich fürchte um eine Unterkunft, frage zwei daherkommende Frauen, die mich wie selbstverständlich zum Hotel die Gasse hoch schicken: Es erwartet mich das *** Hotel Ripoll [15.1.2015] ..., welches den nächsten Tag selbst auch schließt:-) Nach Besichtigung der Kirche - der Kirchenwärter (ein Geistlicher?) läßt mich noch hinein und wir kommen in's Gespräch: Aus Frankfurt? Seine Schwester ist in ... Höchst! - bietet mir der Ort dann ein paar Kneipen. Hier werfe ich noch einen Blick auf die Wetteraussichten; dabei zeigt sich: Ich habe die richtige Wahl getroffen:-) 96 km, Ø 19,6 km/h, 4:55, -1~14/17°C

Tag 11, 4.1.2015: Sant Hilari Sacalm - Igualada

Mittlerweilen ist es schon der dritte Tag hintereinander, an dem ich tagsüber in kurzer Hose und mit kurzem Trikot fahren kann! Heute morgen in 800 m Höhe bin ich noch warm eingepackt, zumal es in schattigen Lagen auf der Straße sehr naß ausschaut. Zuvor aber habe ich auf einer Art Höhenstraße einen grandiosen Blick in Bergregion Montsey! Nach dem Zwischenpaß Col de Revell mit 820 m - welcher sich als waschechter Sattel herausstellt! - durchquere ich die nicht sehr reizvolle Talebene um Tona (Pause), erklimme den nächsten Paß Coll de la Pollosa mit 917 m und sehe mir das historische Zentrum von Moia mit dem reizvollen Kirchenportal an; gleichzeitig nutze ich den Abstecher für eine Pause mit Boccadillo und ein Glas Wein. Und immer weider bestätigt sich meine Entscheidung für das Mittelmeer: Schnee in Berlin, heiter bis wolkig in Südfrankreich und Sonne in Madrid! Manresa durchquere ich sehr schnell und passiere nördlich die auffällige Sierra de Montserrat: Hier sind wir 1988 gewandert durch von einem Brand gelichtete felsige Landschaft, die markante Bergkette immer im Blick zum Kloster Montserrat. Das Kloster in der Felslandschaft liegt dort mit grandioser Aussicht hinein in die felsige Berglandschaft! Weiter auf der alten - die neue C 37 ist für den Radverkehr gesperrt - fast verkehrsfreien C 241 erreiche ich Igualada. 120 km, Ø 20,7 km/h, 5:47, 5~20°C

Tag 12, 5.1.2015: Igualada - Montblanc

Die Stadt hält einige mittelalterliche und modernistische Gebäude bereit (wie es auch Manresa tun soll), doch die Stadt überzeugt mich dennoch nicht richtig ..., trotz **** Hotel. Mit Nebel verlasse ich die Stadt, der sich kurze Zeit später aber auflöst und die Sonne rauskommt. Aus dem Abzweig nach Sant Marti de Tous kommt ein Rennradfahrer: Jordi spricht spanisch, französisch und ein ganz bißchen englisch, währen ich deutsch, englisch und ein ganz bißchen spanisch spreche. Dennoch begleite ich ihn auf seiner Trainingsrunde, wir unterhalten uns angeregt und er macht mit mir eine kleine Stadtrundfahrt in Sta Coloma de Queralt, u.a. zum Castell del Comtes. Auf dem Plaza Mayor (mit Markt) nehme ich dann noch einen Kaffee. Auf meinem weiteren Weg zum Monestir de Poblet, dem alten Königskloster, komme ich noch an einigen modernistischen Weinkooperative (Rocafort de Queralt) vorbei: Diese sind aus den Jahren um 1920 und wie Kathedralen gestaltet (l'Espluga de Francoli). Etwas ungünstig zur Mittagszeit komme ich zum Monestir de Poblet (UNESCO Weltkulturerbe; 1151 gegründet u.a. aus s.o. Sainte-Marie de Fontfroide, später zum Zisterzienserorden, größtes und prächtigstes Königskloster Spaniens, umfangreichstes und besterhaltenstes Zisterzienserkloster): Gottlob ist montags die Besichtigung möglich; doch der nächste Zutritt ist erst für in zwei Stunden angesetzt. Im nahen l'Espluga de Francoli vertreibe ich mir die Zeit mit der FAZ, Oliven, Boccadillo und einem Glas Wein in der Sonne. Zurück zum beeindruckenden Klosterbau mit seiner festungsartigen Ummauerung sehe ich mir die riesige aber schlichte Klosterkirche an. Der Rundgang führt mich dann durch den Kreuzgang mit Klostergarten und Brunnenhaus (links) mit seinen kunstvoll verzierten Kapitellen. Das Maßwerk ist kunstvoll, es ergeben sich schöne Durchblicke (links das Brunnenhaus), vorbei am Refektorium und dem Skriptorium zu den Königsgräbern im Geviert der Kirche. Vom Dach des Kreuzgangs haben wir einen schönen Blick auf die Türme der Kirche (rechts die neue Sakristei). Ich verlasse das von Weinhängen umgebene Kloster, welches sich an die Ausläufer der Sierra de Roqueroie im Süden anschmiegt. Zur Übernachtung fahre ich noch bis Montblanc: Jordi hatte mich auf die historische mittelalterliche Altstadt hingewiesen. Außerdem verkürze ich so die Etappe morgen, die mich bis Barcelona führen soll. Ansehen tue ich mir noch die Kirche Santa Maria mit ihrem reich verzierten Eingangsportal und einen der bedeutensten Stadtpalast. Abends dann - es ist Dreikönigsvortag, Dia de los Reyes Magos - gibt es noch für die Kinder ein karnevalsartiges Spektakel, in dem die Könige in die Stadt einziehen und Kamelle werfen:-) 84 km, Ø 21,6 km/h, 3:53, 2~10~18°C

Tag 13, 6.1.2015: Montblanc - Barcelona

Im Hinterland hängen die Wolken in den Bergen; nur ein schmaler wolkenloser Steifen weist mir den Weg zum Meer! Über Valls - Eingang zur Kirche, ansonsten bietet die Stadt nichts! In der Wikipedia wird nicht die Kirche erwähnt, sondern das ausufernde Industriegebiet! Vgl. meine Eindrücke aus 2010 - an den wolkenverhangenen Hügelketten entlang und vorbei an der eindrucksvollen Weinkooperative in Alio erreiche ich die Küste in San Salvador! Westnordwestwärts fahre ich entlang der Küste, mach zu einer Pause mit Ensalada rusa und Boquerones fritos mit einem lokalen Wein, um dann der Küstenstraße mit Blick auf's Meer, welchen ich die letzten Tage vermißt habe, mein erstes Hotel in Barcelona zu erreichen: Das Renaissance Barcelona Fira Hotel! Dieses Hotel gehört zu den Finalisten des BEST HIGH-RISES 2014\15. Internationaler Hochhaus Preis 2014 [17.1.2015] im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt. Zwischen den beiden Hochhausscheiben, die die Zimmer enthalten, sind Gärten angelegt, die von den Laubengängen aus auf Treppen und Stegen begehbar sind. Aus dem 19. Stockwert hatte ich einen ähnlichen Blick wie von der Dachterrasse über die Stadt Barcelona. BTW: Der Barkeeper erzählte mir beiläufig von Offenbach, weil er öfter dort war wegen seiner damaligen Freundin:-) 123 km, Ø 22,7 km/h, 5:25, 5~20°C

Tag 14, 7.1.2015: Ruhetag in Barcelona

Nach dem ausladenden Frühstücksbuffet im Palmer Restaurant im 14. Stock wechsel ich das Hotel: Mein Zug für die Rückfahrt fährt im Bahnhof Sants ab, so habe ich dort die letzte Nach gebucht. Da ich schon öfters in Barcelona war, habe ich mir nur wenige Dinge vorgenommen: In der schon angesprochenen FAZ gab es einen Artikel über ein gerade eröffnetes Design-Museum in der Stadt, das Design Museum von Barcelona [17.1.2015]; es vereint vier ehem. über das Stadtgebiet verstreute Sammlungen. Es ist im Baukörper Disseny HUB [17.1.2015] untergebracht (rechts; nahe dem Torre Agbar [17.1.2015], links, ebenfalls vom Architekten Jean Nouvel, genau wie das o.g. Renaissance Barcelona Fira Hotel [17.1.2015]). Ich schaue noch bei der Baustelle der Familia Sagrada vorbei und kehre in einer Tapas-Bar ein, die alle Arten von Fisch und Meeresfrüchten im Angebot hat; dabei verwöhnt mich die Sonne ein letztes Mal! - km, Ø - km/h, -, -°C

Abreise

Nach dem Auschecken im Hotel nehme ich ein kleines Frühstück im Bahnhof Barcelona Sants. Die Rückfahrt im Doppelstock-TGV vergeht wie im Flug: Bei bestem Wetter fahre ich die Route der Radtour stellenweise in entgegengesetzter Richtung, oft direkt am Meer! Die Vorpyrenäen unterquere ich leider im Tunnel. Die schönste Teilstrecke ergibt sich zwischen Perpignan und Narbonne zwischen Mittelmeer und Etang de Lapalme, den Salin de Lapalme, Etang de Bages et de Sigean und Etang de L'Ayrolle durch den Parc naturel regional de la Narbonnaise en Mediterranee! 475 km vor Paris ziehen Wolken auf und es regnet stellenweise heftig; in Paris kann ich aber - vorbei an der Attentatsstelle auf Charlie Hebdo am Canal St. Martin (der TGV hatte um 12:00 Uhr die Fahrt für eine Gedenkminute stark verlangsamt) - die Bahnhöfe Gare de Lyon und Gare de l'Est bei Sonnensein wechseln. Die letzte Etappe, wieder im Doppelstock-TGV, findet mein Rad Platz in der Kofferablage; und pünktlich endet die Fahrt in Frankfurt!

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