Nach einer Woche habe ich einem unglücklichen Zufall zu verdanken, daß ihr heute diese ersten Urlaubseindrücke erhaltet: Nach einer langen Wanderung über Lantau, der größten der Inseln um Hong Kong, die von massa's Freund und ehem. Arbeitskollegen Charles geführt wurde, war ein Essen auf der Insel Peng Chau geplant. Doch der aufkommende Regen hat dies leider vereitelt. So habe ich Zeit, während Charles' Freundin das Abendessen bereitet, Euch diese Zeilen zu schreiben.
Als ich am Sonntag letzter Woche in Hong Kong angekommen bin, haben mich massa und Stella vom Flughafen abgeholt und nachdem wir die Klotten in deren Wohnung abgestellt haben, haben sie eine großartige ersten Rundgang für mich geplant:
- Zuerst ging es nach downtown (central), wo Bank- und Bürogebäude
vorherrschen. Von dort ging es dann mit dem Minibus rauf auf den Peak, den 554
Meter hohen Hausberg von Hong Kong (Aussichtsplattform ca. 400 Meter), von dem
man eine phantastische Aussicht über Hong Kong Island hat und auf den Hafen
sowie darüber hinweg auf das Festland (Kowloon Peninsula).
- Dann ging es
mit der 1888 (von Schweizern!) eingerichteten Peak-Tram, einer Schienenbahn,
die zum Teil aber einem Aufzug gleicht, hinab, ein Erlebnis erster Kajüte! Dann
ging es mit dem Minibus weiter zur Südseite der Insel: Nach Stanley, einem
kleinen beschaulichen Ort, ohne die Hektik, die Central verstreut. Hier
landeten auch die Engländer 1841 oder 42. Dort bummelten wir über den lokalen
Markt und saßen nachher noch am Strand.
- Dann ging es zurück und wir
überquerten mit der Star Ferry - für ca. 18 Pfennig - den Hafen - mit bester
Aussicht auf Hong Kong Island *und* Kowloon (Tsim Sha Tsui). Von dort hatten
wir dann einen sehr schönen Blick auf die beleuchtete Skyline des
Central-Bezirks! Abends sind wir dann noch ein Lieblingsrestaurant der beiden
eingekehrt (Cinta, phillipinische Küche)!
Am Montag machte ich mich alleine auf den Weg: Ich streifte durch Mong Kok, einem Viertel, welches in der Einflugschneise des Flughafens liegt und wo die Häuser maximal 17 Stockwerke hoch sein dürfen. So hat sich das Viertel seine Ursprünglichkeit bewahrt;-) (Hier habe ich auch gleich bei einem ansässigen Straßenhändler meine Kamera reparieren lassen)
Am nächsten Tag habe ich mir massa's Fahrrad ausgeborgt und wollte die Insel umrunden. (Also, ich habe es auch geschafft, war aber hart.) Bei rund 30 bis 40 Grad Celsius und 75 bis 85 Prozent rel. Luftf. sowie reichlich daherkommenden Steigungen habe ich mich immer am Rand der Insel entlanggetastet: Pakfolum, Aberdeen, Deep Water Bay, Repulse Bay, Stanley, the Reservoir, dann der höchste Punkt mit rund 400 Metern über NN, und an der Nordseite der Insel - rund 14 km durch dichtestes Stadtgewühl - zu massa's Heim zurück! Eine schöne und sehr intensieve Erfahrung, doch das Rad habe ich jetzt ersteinmal beiseite gestellt:-|
Abends findet massa immer noch Zeit für mich - er hat ja einen richtigen Job
hier - einen Trinken zu gehen im Biergarten oder einer der interessanten Bars
wo auch immer.
Nachdem ich gestern die Insel Cheng Chau unsicher gemacht
habe - sehr ruhig dort, wie eine kleine griechische Insel in der Ägäis - sind
wir heute auf Lantau gewandert.
Morgen sind wir zu einem BarBQ in den New Territories eingeladen bei Freunden von massa's Freundin. Montag haben wir dann massa's Geburtstag zu feiern und Dienstag verlasse ich die westliche Zivilisation, um mich nach China aufzumachen. Mit dem Zug erster Klasse nach Kanton, und dann mal sehen, eine Woche habe ich Zeit ...
... und wenn sie mich wieder raus lassen, also, wenn, dann gibt's vielleicht auch den nächsten Bericht!
Ja, stehengeblieben war ich beim Geburtstag von massa am Montag: Den haben wir stilvoll in der Bar des Island Shangi La im 39 Stock mit phantastischem Blick auf central und den Hafen gefeiert.
Dienstag ging es dann - leider nicht 1. Klasse (war ausgebucht:-( nach Kanton (Guangzhou), der Hauptstadt des Bezirks Kanton (Guandong). Während der 2-stündigen Fahrt hatte ich Zeit, mich im Speisewagen kulinarisch auf China einzustellen. In Kanton dann durch die Paßkontrolle, kein Problem. Doch ein wenig der Gefühle der Grenzanlage der ehem. DDR kamen auf ...:-|
In Kanton - ich hatte eine Karte aus HK mitgebracht - habe ich keines der Guesthouses gefunden (zu oder abgerissen), so daß ich einem Tip eines travellers aus London folgte und mich gegenüber dem Overseas Chinese Hotels einquartierte. Von dort machte ich 1,5 Tage lang die Stadt unsicher:
Die Parks sind sehr sehenswert und bieten einen Ruhepol zu der sonst sehr
hektischen Metropole (5 Mio. Einwohner, in der Sonderwirtschaftszone Südchinas
gelegen). Und die Tempel (taoistisch oder buddhistisch) bieten eine völlig
andere und mir unbekannte Kultur! Und dann immer diese Räucherstäbchen, von
denen ich vergessen hab, mir welche mitzubringen ...:-(
Am zweiten Tag habe
ich mir ein Rad gekauft, um mich ein wenig Richtung Süden zu bewegen. Dies
hatte zwei Gründe:
1. Eigentlich wollte ich mit dem Bus unterwegs sein - es gibt kaum Eisenbahnverbindungen - denn das Überlandbusangebot ist sehr groß, ... aber leider spricht keiner Englisch und die Ziele sind nur in Chinesich angegeben:-( So verflog nach einigen Versuchen das Ansinnen schnell. 2. Sind die Räder in China billig: Für ein 26er Rad mit 18-Gang-Schaltung, verlängerter Sattelstütze für die Gualos (Langnasen) und Schloß habe ich umgerechnet 80 DM bezahlt. Die Qualität war aber so schlecht, daß es sich nicht gelohnt hätte, das Rad irgendwie mitzubringen ...
Ein Erlebnis erster Kajüte für mich als eingefleischtem Radfahrer war es dann, mich mit 1000en von Einheimischen durch die Straßen der Provinzhauptstadt zu drängeln!
Den nächsten Tag ging es dann aus Guangzhou hinaus auf der immer schmaler werdenden Ausfallstraße, gleich einem Trek 'gen Westen. Leider herrschte im Großraum Kanton Stadt sehr viel Industrie vor. Durch einen Monsunregen kämpfte ich mich gegen den Schilderwald - eher weniger Wald als Schilder - in Chinesisch auf zum Teil "Highway" genannten Straßen Richtung Süden vor. (Nach Rückgabe von HK an China 7.97 wird aus dem Süden um HK , Shenzhen und Kanton eine riesige Sonderwirtschaftszone, zu der ein Chinese jetzt schon zum Teil nur mit Erlaubnis Zutritt hat.)
Leider stimmten meine Karte aus China eigentlich überhaupt nicht mit der aus HK überein, und der Straßerverlauf war dann eine ganz andere Sache:-(Ich war halt nicht im Westen ...) Auf halber Strecke nach Macao hatte ich mir dann in Zhoushan ein Hotel gesucht: Als Gualo war ich die Attraktion, und dann stellte ich noch ein Rad in der Hotelauffahrt ab! Nach alter Stasi-Sitte wurde ich auch prompt nach dem Rückkehr meines nächstlichen Bummels durch die Stadt vom "House-Keeping Manager" des Hotels im Zimmer aufgesucht und mit versteckten Fragen wie "Wo kommen sie her?", "Wo wollen sie hin?", "Wie gefällt es ihnen hier?", "Warum sind sie unterwegs?" etc. malträtiert. Ich hatte allerdings nichts zu verbergen und mit meiner Offenheit über mein Unternehmen brachte ich ihn ein wenig aus der Fassung!
Am nächsten Tag ging's bei bestem Wetter weiter Richtung Küste: Leider hatte ich meinen Helm ja nicht dabei, was sich mit einem Sonnenbrand an einer jetzt ungeschützten Stelle rächte: Man kann jetzt noch etwas sehen:-( Auf dem weiteren Weg bin ich durch ? gekommen und habe mir die Gedenkstätte des großen Reformers ? angesehen. (Die Namen sind mir leider nicht geläufig und mit der Historie des Landes bin ich (leider) noch weniger vertraut ...:-(
Vor dem Grenzübertritt nach Macao (alte portugiesische Kolonie, 300 Jahre älter als HK!) habe ich dann mein Rad für 50 DM am Straßenrand verkauft: Es war eigentlich zum Schreien, da ich ein miserabler Händler bin ("For special friends of Rick we have special prices: Only 270!"(Casablanca), "Ja, ich nehme es für n DM.""Nein mein Herr, sie müssen doch handeln!" ...(Das Leben des Brian), "Preise wie für meine eigenen Brüder ..."(massa)) Glücklich in Macao eingetrofen habe ich mir ein reichlich gutes Hotel im Stadtinneren gegönnt nach den Strapazen der Radtour (rund 250 km). Und dann hatte ich 1,5 Tage Gelegenheit, mich in Macao umzusehen.
Im Vergleich zu HK ist die Zeit eigentlich stehengeblieben: Kaum die Hektik, kaum glitzernde Wolkenkratzer, ruhige kopfsteingepflasterte Plätze mit Springbrunnen vor alter Kulisse, ... Das ist zum Erholen! Bummeln an der noch vorhandenen Promenade (Auch wie in HK ist Landgewinnung total in Mode: Ständig wird vor der Küstenpromenade Neuland gewonnen und eine neue Promenade angelegt. So wächst die Küstenlinie immer weiter in den Hafen oder das Meer!)
Mit dem Tragflächenboot ging es dann innerhalb einer Stunde zurück in die Zukunft, nach HK! In den verbleibenden 7 Tage habe ich mich dann von der Vielfältigkeit HK's überzeugt:
In den New Territorie bin ich an einem Vogelschutzgebiet gewandert, habe dabei "rüber" nach Shenzhen gesehen, bin auf Lantau mit dem Rad unterwegs gewesen (*schwitz,puh*), habe im Hafenrestaurant auf der Insel Lamma Fisch gegessen, wir waren mongolisch, thailändisch, chinesisch, deutsch, portugisisch, ... Essen, haben Kneipenbummel unternommen, haben im Revolving Restaurant gegessen mit einer phantastischen Aussicht vom 62 Stock über HK, etc. etc.!
Dann ging es zurück: Und ich muß sagen, daß HK mehr zu bieten hat als ich anzunehmen bereit gewesen war! In einem Satz kann ich zusammenfassend sagen: "Wow, Hong Kong!"
P.S.: Wenn sich viele Tippfehler eingeschlichen haben resultiert das aus der Verwendung der Original-eMails. Ich bitte um Nachsicht!