Wintertraining 2008/2009
Zentralspanien und Andalusien

12 Fahrtage, 1.200 km, 12.000 Hm
Ein Kurzbericht mit vielen Photos

A.S.: Raucherschutzgesetz in Spanien

Laut Wikipedia "sind die Rauchergesetze in Spanien im Vergleich zu denen im übrigen Europa besonders streng". Aber "hinsichtlich kleinerer gastgewerblicher Betriebe [mit Ausschankflächen unter 100 Quadratmetern] hat Spanien im Gegensatz zu seinen europäischen Nachbarn äußerst liberale Regeln" (das betrifft rund 90 Prozent der Betriebe): Hier kann der Betreiber selbst entscheiden, ob geraucht werden darf oder nicht. Er muß am Eingang nur darauf hinweisen. Das führt dazu, daß Nichtraucherkneipen einzurichten "allerdings kaum angenommen wird" und "Wirte, die das Gesetz umgehen wollten, ... ihre Ausschankflächen über Nacht in mehrere Teile" aufteilten! So kam es auf meiner Reise auch vor, daß an der Nichtraucherbar geraucht wurde und erst auf Drängen des Personals in den Raucherbereich gewechselt wurde.

Diese Regelungen haben dazu geführt, daß Spanien als Reiseland bei mir persönlich erstmal auf den letzten Platz abgerutscht ist!

Etappenübersicht

DatumStart - ZielkmØHm∑ km°C
20.12.08Zuganreise: Frankfurt - Paris - ...
21.12.08... Etappe 1: Madrid - Toledo8923.93486-19
22.12.08Etappe 2: Toledo - Ciudad Real12923.08862181-17-36
23.12.08Etappe 3: Ciudad Real - Cardena10921.911223270-17-24
24.12.08Etappe 4: Cardena - Cordoba10424.66304316-17
25.12.08Etappe 5: Cordoba - Rute10919.416105404-17-23
26.12.08Etappe 6: Rute - Malaga12021.314946602-13-21
27.12.08Etappe 7: Malaga - Almunecar9520.058675512-18-33
28.12.08Bustransfer: Almunecar - Granada
29.12.08Etappe 8: Granada - Montefrio5621.278581110-16-21
30.12.08Etappe 9: Montefrio - Cordoba13623.014139476-23
31.12.08Ruhetag: Cordoba
1.1.09Etappe 10: Cordoba - Osuna10322.6649105012-13-20
2.1.09Etappe 11: Osuna - Antequera6722.8599111714-17-19
3.1.09Ruhetag: Antequera
4.1.09Etappe 12: Antequera - Malaga10122.684812187-22-36
5.1.09Stadtrundgang und Zugabreise: Malaga - Madrid - ...
6.1.09... Paris - Frankfurt

Hinweis

Alle Photos mit der Namensbestandteil DSC0abcd_ sind von Christian Gebauer (vielen Dank), der Rest ist von mir (xyz_).

Zuganreise

Traditionell reise ich - wenn es denn geht - mit der Bahn an; da meint ein guter Freund, es sei doch billiger, zu fliegen! Ich frage mich: Billiger für wen? Für Dich? Für die Umwelt? Für die nachfolgende Generation? Für wen eigentlich? (Ich frage mich immer wieder: Warum wird Flugbenzin eigentlich noch nicht wie der Strom für die Bahn mit dem geltenden Mehrwertsteuersatz besteuert?)

Wie eine Atlantikpassage auf dem Schiff ist das Reisen mit der Bahn heute eine der letzten Möglichkeiten, der beschleunigten 'modernen Zeit' zu entkommen. Natürlich steht sie zum Widerspruch des Mottos meiner Heimatstadt Frankfurt: Denn hier habe ich den Spruch "Zeit ist Geld!" auch zu meinem Motto gemacht! Aber ist es wirklich ein Widerspruch? Ich denke: Nein! Denn auf der Bahnreise habe ich die Möglichkeit, langsam von der Heimat Abstand zu nehmen und mich - im Zugrestaurant, vielleicht bei einer netten Unterhaltung - mit dem Langenscheidt auf den Aufenthalt im Zielland vorzubereiten. So kann sich Spannung und Vorfreude auf das Land aufbauen!

So geht es von Frankfurt mit dem ICE in 3:40 nach Paris und nach dem Wechsel der Bahnhöfe im Einzelappartment des Trenhotels nach Madrid. Auf der Fahrt schon bewahrheitet sich die Wettervorhersage von Madrid und auch Cordoba: Beim Frühstück in den Bergen vor Madrid offenbart der Blick aus dem Fenster einen tollen Sonnenaufgang!

1. Etappe: Madrid - Toledo

Die erste Etappe kenne ich schon von der Fahrt mit M. Klemm. aus dem Jahre 2005; nur fahre ich dieses Jahr in umgekehrter Richtung. Nach dem Zusammenbauen des Rades geht es voller Ungeduld und in Anbetracht des super Wetters sofort los: Von der Estacion de Charmatin im Norden der Madrider Innenstadt geht es über den Plaza de Castilla mit seinen charakteristischen Schräggebäuden durch die Innenstadt an der Estacion de Atocha vorbei immer Richtung Südsüdwest.

Die ersten 30 km sind nicht sehr erlabend: Man kann getrost die Augen schließen und den Lenker festbinden; es geht nur immer geradeaus! Das Wetter bügelt aber alles aus: Sonne soweit das Auge reicht und herrliche Temperaturen! Nach 37 km kehre ich im kleinen Ort Carranque ein: Es gibt in einer Bar lecker Paella, dazu ein Madrider Mahou-Bier. So gestärkt fahre ich weiter auf Toledo. Die Landschaft ist seicht hügelig, mit schneebedeckten Bergen in der Ferne. Diese Flachetappen kommen mir und meiner nicht vorhandenen Form sehr entgegen: Denn die 348 Hm dieser ersten Etappe sind gar nichts gegen spätere 1610 Hm!

Am Nachmittag erreiche ich Toledo; die Stadt habe ich schon einmal ausgiebig besichtigt, ich habe es also nicht eilig. Nehme ein Hotel nahe der Altstadt und nutze das gute Wetter für einen Stadtbummel: Die Altstadt betrete ich durch die Puerta del Sol und besichtige zuerst die Kathedrale und genieße die Sonne auf dem Plaza del Ayuntamiento. Stärken tue ich mich in diversen Bars, wobei das einzige Nichtraucherrestaurant geschlossen war:-(

2. Etappe: Toledo - Ciudad Real

Sonne: Toll! Aber kein Sommer: Ich habe 1 Grad plus auf der Uhr! Zum Glück geht es nach der Puente de San Martin erstmal 200 Hm hinauf, da wird mir warm. Und es bietet sich ein klasse Rückblick auf die Stadt Toledo. Dann allerdings richte ich meinen Blick geradeaus Richtung Süden, meiner vorherrschenden Fahrtrichtung: Die oft fehlenden Bäume bieten eine tolle Sicht über die Ebene bis zur Sierra del Castanar. Vorbeifahren tue ich oft an sehr fortschrittlichen Solarkraftanlagen (in der Hochebene von Guadix in der Provinz Granada entsteht mit Andasol 1 und 2 jetzt das größte Solarkraftwerk Europas, wenn nicht gar der Welt!); hier steht die moderne Technik mit der alten Bergwerkstradition im Kontrast, als ich bei La Higueruela vorbeifahre oder wie das Solarkraftwerk bei Pulgar.

Nach Las Ventas con Pena Aguilera fahre ich dem Puerto del Milagro entgegen: Es fahren jetzt fast keine Autos mehr, der Teer ist super und die Landschaft ebenso! Rechterhand schaue ich über eine weite Ebene mit Wiesen und leichtem Baumbestand (Stereophoto: Für alle die, die mit dem Betrachten von Stereophotos nicht vertraut sind, folgt später noch eine einfachere Aufnahme mit Anleitung). Nach dem Passieren des Puerto tut sich ein toller Blick in das weite Tal des Rio Milagro auf! Interessant wird es aber auch nach kurzer Zeit mit Blick in Fahrtrichtung: Über den Embalse Torre de Abraham schweift der Blick hinein in den Durchbruch des Rio Bullaque durch die Sierras! Und es tuen sich 'australische' Verhältnisse auf, als ich auf den Stausee (Embalse) zufahre. Es ist mittlerweile nach 12:30 und ich verspüre Hunger; doch laut Karte kommt der nächste 'Ort' erst nach 18 km. Naja, da es flach ist und die Sonne brennt, rolle ich so dahin ... bis rechterhand aus dem Nichts ein Restaurant auftaucht:-) Es ist offen und ich bin der einzige Gast, dennoch gibt es ein Mittagessen für mich. Als ich entscheidungslos die Karte studiere, wird mir das "Menu del dia" schmackthaft gemacht. Ich verstehe zwar nur die Hälfte, bestelle es aber. Zuerst gibt es die Suppe: Eine sämige Suppe aus weißen dicken Bohnen und ausgekochtem Hummer; äußerst lecker! Der Hauptgang wirkt schon interessanter: Patatas fritas und eine Soße sind eindeutig zu idnetifizieren, bei der 'Beilage' tippe ich auf Wirbelsäule oder vielleicht Hals? Naja, als der Nachtisch serviert wurde, meinte ich nur 'mui interessante y io soy normalmente vegetariano': Flan con nata y cafe.

So gestärkt umrunde ich den Embalse halb und erreiche wieder nach einer längeren Gerade (14 km) mit reichlich Gegenwind den zweiten Puerto für diesen Tag: Puerto de la Peralosa. Von dort gibt es wieder traumhaft schöne Ausblicke in die Landschaft (in Richtung Piedrabuena). Dann geht es in Abfahrtshaltung mit dem Tagesmaximum von 57,4 km/h dem Tagesziel Ciudad Real entgegen: Von dieser Stadt habe ich noch nie etwas gehört und jetzt weiß ich auch, warum: Es gibt dort nichts! Zwei Stadttore werden als die großen Sehenswürdigkeiten genannt, toll! Mit Mühe finde ich in der Innenstadt ein Hotel, noch schwieriger wird die Suche nach geeigneten Nichtraucheretablissements:-(

3. Etappe: Ciudad Real - Cardena

Ciudad Real verlasse ich über die Hauptstraße N 420, der ich durch ein Flußbett folge. Bei schönstem Wetter ergeben sich wieder Blicke in riesige Landschaften: Zuerst verlasse ich die N 420 nach Puertollano, um geradeaus auf kleineren Straßen nach Almodovar del Campo zu fahren. Hier ergibt sich immer eine schöne Sicht auf die Sierras und die durchfahrene Landschaft. Nach dem netten Ort Villamayor de Calatrava geht es mal wieder schnurstracks geradeaus, bis in der Ferne Almodovar vor der Sierra Puertollano auftaucht. Wieder auf der N 420 erreiche ich den ersten von drei Puertos: Den Puerto Pulido, von wo mir das Tal des Rio Tablillas zu Füßen liegt. Dieses Tal durchquere ich wieder mal auf einer langen Geraden. Linker und rechter Hand liegen Schafweiden vor den Sierra del Rey. Von der Anfahrt auf den Puerto de Niefla habe ich dann einen weiten Rückblick in die Ebene und auf die schnurgerade verlaufende N 420. Bis ich zur Anfahrt auf den dritten Puerto, den Puerto de Valderrepisa komme.

Die Sierra de la Garganta verlasse ich auf einer längeren Abfahrt, bevor ich in den Sierra Morena zu meinem bis dahin nicht eindeutigen Etappenziel wieder ansteige. Ich erreiche den kleinen Ort Cardena: Hier stärke ich mich in der Bar am Platze, wo es sehr nett ist. Ich entscheide mich spontan, hier zu bleiben (obwohl ich gerne auf einer Nebenstrecke auch noch bis zur nächst größeren Stadt Montoro weitergefahren wäre; zu dieser Nebenstrecke aber später mehr ...): In der nächsten Straße sehe ich ein Hotel-Schild, erfahre aber, daß das Hotel nicht mehr in Betrieb ist; es gibt aber Zimmer über einem Restaurant, welches den Tag nicht geöffnet ist. Ich erkunde den Ort mit seinen ruhigen Straßenzügen, der Kirche und weiteren ruhigen Ecken. Den Abend verbringe ich noch in einer weiteren Bar, die auch Abendessen anbietet.

4. Etappe: Cardena - Cordoba

Heute gibt es im Ort einen kleinen Markt. Und der Mercado Municipal hat offen: Hier gibt es frischen Fisch an zwei Ständen. Nach einem Kaffee in einer Bar am Markt fahre ich 'gen Montoro auf der kleinen Nebenstrecke: Die war schon schwer zu finden, da die N 420 neu gebaut wurde. Und als ich dann ein paar Kilometer auf der landschaftlich sehr schönen Nebenstrecke gefahren bin, wurde diese vom Belag immer schlechter: Traumhaft schöne Landschaft, aber alptraumhafter Belag! Nach 10 Kilometern war es eher eine nicht staubfreie Straße, von einem Teerbelag konnte man nicht mehr sprechen! Ich habe verweigert und bin umgekehrt! Wie froh war ich, als ich wieder auf der neune N 420 mit tollem Belag war, wie im Himmel! Ab und zu sah ich noch mal die alte N 420 von der neuen aus: Toller Straßenverlauf, aber miesester Belag!

Aus den Sierras geht es jetzt hinunter in's Tal des Rio Guadalquivir - auch mal 5 km mit 7 % Gefälle:-) Allerdings vermutete ich nach einiger Zeit Nebel im Tal. Und so ergab es sich, daß ich beim Abbiegen von der N 420 auf die Nebenstrecke in den Ort Montoro schnell im Nebel versank! Unten in der Stadt angekommen wärmte ich mich bei einem Cafe con leche in der Bar direkt an der Brücke über den Fluß Guadalquivir. Von dort hatte ich - als der Nebel aufriß - eine gute Sicht auf die Stadt, die schnell wieder im Nebel verschwand.

Bei der jetzt folgenden Fahrt im Tal des Guadalquivir wechselten die Berge der letzten Etappen wieder gegen nur leichte Hügel, wie hier bei der Fahrt auf den Ort Pedro Abad. Unterkommen wollte ich am 24.12. in einem mir bekannten Hostal in der Altstadt, welches aber nicht geöffnet war; so wurde ich kurzerhand - für den Hostal-Preis - im angegliederten Hotel um die Ecke einquartiert, welches über einen sehr schönen Innenhof verfügt.

Den verbleibenden Tag - es waren ja nur gut 100 km aus den Sierras hinaus - nutze ich für einen kleinen Stadtrundgang: Zuerst schaue ich am historischen Plaza den Pozo vorbei, wo ich schon mal untergebracht war, gehe dann zur Mesquita, welche aber heute ihre Pforten schon geschlossen hat und lasse mich in der Nachmittagssonne in der Nähe des Flusses nieder: Es gibt lecker Paella! Dann gehe ich über die neue Brücke, die eine rostende Verkleidung aufweist - vielleicht als Kontrast zur nahen alten steinernen römischen Brücke (im Hintergrund die Mesquita), die (mittlerweilen?) für den Autoverkehr gesperrt ist. Der Torre de la Calahorra auf der einen Seite der Brücke weist eine tolle steinerne Struktur auf. Offenbar ist das ganze Ensemble - inkl. der neu angelegten Uferpromenaden! - frisch herausgeputzt worden: Cordoba bewirbt sich um den Titel der Kulturmetropole Europas 2016.

Das Abendvergnügen gestaltet sich wegen dem Datum etwas schwierig: Der einzig geöffnete Pub, das 'Soul', ist übervoll; die Stimmung aber um so besser und die Musik zum Mittanzen. Auf dem Heimweg zum Hotel komme ich noch mal an der verlassen wirkenden Mesquita - dem meiner Ansicht nach interessantesten Bauwerk Andalusiens! - vorbei.

5. Etappe: Cordoba - Rute

Früh morgens am 1. Feiertag sind die Straßen besonders leer, wenn es von Cordoba in Richtung Süden geht:-) Das leicht wellige Terrain führt mich mit einem Schlußanstieg hinauf nach Espejo. Dort kehre ich am Dortplatz unterhalb des Castillos in eine Bar für ein zweites Frühstück ein. Doch schnell eile ich weiter über Castro del Rio, was außer dieser schönen Fassade aber nichts bietet. Interessanter wird es dann schon, als ich die N 420 verlasse und auf entlegenen kleinen Straßen (CP 160) durch die Olivenhaine fahre. Das diese Straßen abseits der großen Hauptstraßen vorbeiführen und wirtschaftlich unbedeutend sind, merke ich auch an den Straßenwegweisern (ich komme aus Castro del Rio). Das leicht hügelige Gelände bietet dabei immer wieder klasse Aussichten über die weitläufigen Olivenanbaugebiete.

Zur Mittagszeit finde ich eine nette Bar in Dona Mencia, in der ich mir ein Feiertagsmenu zusammenstelle: Croquettes, Gambas al ajio und Bacalao mit Tinto. Das gibt Kraft;-) Auf dem Weg nach Cabra quere ich eine ehem. Bahnlinie, die jetzt zu einem Radweg umgebaut wurde. Ich wechsel nach einer längeren Brücke auf den Weg und fahre fast ebenerdig, allerdings auf bröckelndem Asphalt, bis zum Bahnhof Cabra. Da ich dem Weg nicht weiter nach Lucena folgen will - was ich gerne getan hätte! - wechsel ich wieder auf die Straße. Und da gibt es für Autofahrer endlich mal ordentliche Hinweisschilder auf Radfahren! Beinahe wäre das Rad samt Fahrer auf dem Schild lebensgroß:-) Hier, zwischen den Olivenbäumen, auf dem Weg nach Rute, entsteht auch das einzige Spiegelphoto der Tour. Wie das mit der Olivenernte geht, sehe ich etwas später: Ein Trecker fährt mit einer Art umgedrehten Regenschirm an den Baum heran, faltet den Schirm fächerartig um den Baum auf, packt den Stamm und beginnt ihn zu schütteln, daß keine Olive mehr am Stamm bleibt! Dann saugt er die Ernte in den Tank hinten, fertig! Dies geht natürlich nur in ebenem Gelände; sehr oft sieht man bei der Ernte Netze untern den Bäumen liegen und wahlweise wird motorisch an den Ästen gerüttelt oder die Bäuerin/der Bauer schlagen mit langen Stangen in den Baum.

In Rute angekommen merke ich schon, daß der Ort auch nicht so viel hergibt. Ich fahre schon gar nicht hinauf in die Altstadt, sondern versuche gleich an der Hauptstraße, wo das Leben der Stadt ist, ein Hotel zu finden. Und tatsächlich soll es zwei geben; ich kehre allerdings in das nächstgelegene ein. Abends gehe ich dann den Hügel hoch zur dort vermuteten Altstadt; doch neben einem farbenfrohen Sonnenuntergang und einem weiten Blick in die hügelige Landschaft finde ich nur ein recht komisches Cafe und eine etwas eigenwillige Bar.

6. Etappe: Rute - Malaga

Morgens gleich zu Beginn der Etappe geht es zwei Kilometer mit einem Schnitt von 50 km/h hinunter (bei 2 Grad plus nicht sehr angenehm), denn um den Embalse de Iznajar ist es schon recht bergig! Allerdings gibt es immer reichlich zu sehen, wie zum Beispiel den am Berghang liegenden Ort Iznajar selbst. Nein, den habe ich mir nicht angesehen ...:-) Die ständigen Hügel und Anstiege halten mich ganz schön auf Trab. So freue ich mich auf meine nächste Pause im netten Ort Villanueva del Trabuco: Hier sitze ich mit einem Cafe und Bocadillo auf dem Dorfplatz in der Sonne. Um die Berggipfel der umliegenden Bergketten fangen sich immer wieder Wolken, so daß ich um meinen Sonnentag fürchte! Allerdings stellt sich das als grundlos heraus, da sich die Wolken wirklich nur dort um die Berggipfel (1400-1600m) halten.

Nach dem Wechsel auf die A356 und nach Colmenar auf die etwas versteckt zu findende C345 hat sich das Wetter schon wieder zu Sonnenschein durchgerungen! Jetzt folge ich der Panoramastraße am Parque natural de los Montes de Malaga entlang mit traumhaften Blick nach Osten in die gegenüberliegenden Bergketten (über 2000m). Den höchsten Punkt erreiche ich am Puerto del Leon mit 960m, gerade mal gut 10km Luftlinie vom Mittelmeer entfert! Hier kehre ich in einem kleinen Restaurant ein, stärke mich mit Bocadillo und trinke mir etwas Mut für die Abfahrt an:-) Vo dort habe ich auch noch einen klasse Blick in die küstennahen Ausläufer der Sierras. Dann geht es auf aussichtsreicher, kurviger Straße mit zwei Schleifen hinunter nach Malaga.

Da ich am nächsten Tag meine Freunde Christian, Chris und Thomas am FLughafen abholen will, quartiere ich mich am Meer nahe des Flughafens ein. (Der Flughafen liegt etwas ungünstig außerhalb von Malaga, so sapre ich mir am Morgen den Weg aus der Stadt zum Airport; der Flieger soll 9:30 landen.) Vom 7. Stock genieße ich den Sonnenuntergang am Meer und nach dem Essen in der lokalen Kneipe in Guadalmar den Blick auf den spätabendlichen Strand.

7. Etappe: Malaga - Almunecar

Zu Beginn der gemeinsamen Trainingswoche mit drei Freunden von meinem Münchener Radclub Concordia frühstücke ich ausgiebig am Viersternebuffet. Dann fahre ich rüber zum Airport und nehme Christian Gebauer, Chris Heine und Thomas Kaiser in Empfang. Aus dem Flughafen heraus geht es für einen Kaffee zuerst am Strand nach Malaga, schnell durch die Stadt und weiter am Meer entlang in Richtung Osten. Leider hatten wir gegen einen sehr kräftigen Wind anzukämpfen:-( Das Wetter war ok, zumal den Tag Regen angesagt war. Es geht erstmal flach dahin immer mit Blick auf das Meer; den Windschatten genieße ich besonders, da ich 6 Tage immer alleine vorne gefahren bin.

Nach 65 km erreichen wir Nerja (das Surferparadies?): Wir fahren für ein Gruppenbild (Christian, ich, tkaiser, Chris) direkt zum Balcon de Europa; doch ob des Windes geht es gleich weiter. Bisher war auf der Küstenstraße immer recht viel Verkehr: Jetzt wurde aber eine Parallelstraße fertig (im Hintergrund), so daß es auf der alten N 340 mit kaum Verkehr vorwärts geht. Wo es hier hügeliger wird, hat man gleich eine ganz andere Sicht auf's Mittelmeer!

Wir erreichen La Herradura und machen Essenspause, um die Weiterfahrt zu besprechen. Da Christian krankheitsgeschwächt noch etwas hinterher hängt, wollen wir die folgenden 70 km nach Granada nicht mehr in Angriff nehmen: Zum einen müßten wir von Meerehöhe noch mal auf 1200 m hoch, zum anderen gibt es unterwegs nichts zum Einkehren auf der in's Auge gefaßten Nebenstrecke (SO-2) und es könnte dunkel werden oder zu regnen anfangen. So entscheiden wir, noch eine Nacht am Meer zu verbringen; das Hotel hat dann auch Meerblick:-) Abends löschen wir zuerst unseren Durst, bevor es dann in einem Restaurant der Einheimischen u.a. Boquerones y patatas fritas gibt.

Bustransfer: Almunecar - Granada

Hasenfüße müßte man uns nennen! Morgens regnet es, so wie angekündigt. Nach dem Frühstück läßt der Regen zwar nach, aber die Berge hängen noch in den Wolken; außerdem ist für den ganzen Tag Regenneigung angekündigt. Wir entscheiden uns für den Bustransfer nach Granada. Unser Plan ist, den Regentag für die Besichtigung der Alhambra zu nutzen! Während der Busfahrt (1,5 h, 7 Euro) regnet es natürlich keinen Tropfen! Naja, in Granada angekommen fahren wir vom Busbahnhof direkt in die Nähe der Alhambra und Altstadt und finden ein Pension an einem netten Platz!

Gleich machen wir uns auf zur Alhambra (wir an der Torre de la Justicia), da ich noch lange Warteschlangen und Tickets mit exakten Zeitfenstern im Kopf habe. Und so ist es: Für diesen Tag gibt es keine Tickets mehr für des Nasridenpalast, das 'Herzstück' der Alhambra. Im Internet sind die Tickets für den nächsten Tag auch schon aus, so müssen wir uns den nächsten Morgen um Tickets kümmern. (Unglücklicherweise ist Wochenende, so daß die BBVA geschlossen ist, bei der man auch gut Tickets bekommen kann!).

Auf dem Rückweg in die Stadt beginnt es leicht zu regnen; wir nutzen den Resttag und stärken uns erstmal nach der anstrengenden Busfahrt: In einer typischen Bar wählen wir aus der reichhaltigen Tapas-Liste aus! Christian und Chris bestaunen dabei die Auslage. Gestärkt sehen wir uns die Kathedrale an: Den Innenraum seht ihr hier als Stereophoto!

Und das geht so:

Anmerkungen: Das Betrachten erfordert etwas Übung; die Bildgröße ist begrenzt, da das Schielen über größere Distanzen sehr anstrengend ist.

Die Kathedrale beeindruckt durch einen sehr hellen, weitläufigen Innenraum mit hölzernen Windfangeinbauten! Nach dem Besuch des alten arabischen Seidenmarktes (Basar) und der ehemaligen Karawanserei Corral de Carbon (die leider schon geschlossen war) gehen wir zum gemütlichen Teil über: Wir durchstreifen die Bars von Granada. Christian, tkaiser und Chris bei ersten Getränken, in der nächsten Bar fühlt sich Mr. Atomic-Cafe mit tkaiser und Christian bei der zweiten Lage Getränke so richtig wohl; typischerweise hängt der Jamon Serrano in den Bars, was tkaiser aber nicht noch seliger macht und wir enden in unserer letzten Bar: tkaiser, Christian und Chris. Jetzt haben wir aber alles probiert;-)

8. Etappe: Granada - Montefrio

Vor der Weiterfahrt gehen wir wieder hinauf zur Alhambra: Sehr früh schon um 7:30 klingelt der Wecker, ich gehe kurz frühstücken in einer Bar, um 8:00 gehen wir los und ... finden uns in einer Warteschlange wieder! Nach einer Stunde haben wir unser Ticket für 11:30. Wir sehen uns zuerst die Generalifen-Gärten mit ihren Palästen an. Dann besuchen wir das neu zugängliche Bad außerhalb des Nasriden-Palats und warten vor der Alcazaba, welches die drei noch besuchen und die eindrucksvolle Festungsarchitektur im Photo festhalten (Rückblick über die Alcazaba zum Karls-, rechts, und zum Nasridenpalast, zwischen den Türmen), auf unser Zeitfenster.

Dann können wir die reichhaltigen Stuckornamente und aufwendigen Fliesenarbeiten im Nasridenpalast bewundern. Und die Ornamente und Fliesendekorationen werden immer aufwendiger, ein wahrer Potpourri aus Farben und Formen! Das setzt sich dann im Patio de los Leones fort. Am Ende des Rundgangs durch den Palast kommen wir noch an den Banos vorbei, die ich wieder als Stereophoto präsentiere (Anleitung dazu). Auf dem Weg zum Ausgang halten wir dann noch mal inne und werfen eine Blick hinauf in die schneebedeckte Sierra Nevada: Wegen der Schneelage unterlassen wir aber den Versuch, mit den Rennrädern bis zum Gipfel des Pico Veleta hinaufzufahren ..., auf 3398 m Höhe! (Dieses Vergnügen hatte ich 2002!)

Wir gehen zur Pension, ziehen uns um und satteln die Räder; vor der Abfahrt stärken wir uns bei Bocadillos und Getränken am Platze. Wir verlassen Granada auf den Hauptstraßen, biegen alsbald aber auf kleinste Nebenstraßen ab. So erreichen wir - tkaiser in Abfahrtposition! - Illora, von wo wir auf einer unclassified route, die uns bis auf 1115 m Höhe führt, am Abend Montefrio erreichen. Vom Hotelzimmer haben wir bei abendlicher Sonne noch einen schönen Blick auf die Altstadt samt Kirche.

Abends machen wir uns zuerst auf einen Tapas-Bummel und gehen durch die festlich geschmückten Straßen zum offenbar einzigen Restaurant, wo wir es uns dann wieder schmecken lassen!

9. Etappe: Montefrio - Cordoba

Wir starten nach dem Frühstück, bei dem ich kaum Appetit habe, bei 6 Grad plus und fahren die NO 25 nach Westen (bis zur N 432 fahren wir heute nur auf kleinsten Nebenstrecken); schnell ist die Sonne da und der Rückenwind schiebt uns nach Alganirejo. Hier in der Nähe des Embalse de Iznajar ist es wieder sehr hügelig: Das spüren Christian und ich, da es uns beiden heute nicht so gut geht:-( So hängen wir bei immer etwas hinterher, was sich bei Anstiegen noch deutlicher wird. Dabei kommt man in der Sonne auch durchaus zum Schwitzen, was eine Kleiderpause zur Folge hat, in deren Folge man alles im Behindset verstauen muß!

Die Landschaft ist hier sehr schön, es gibt eigentlichen keinen Verkehr, leider ist der Straßenbelag in zum Teil sehr schlechtem Zustand. Meinen Magenproblemen ist das nicht zuträglich. Für ein zweites Frühstück erreichen wir Priego de Cordoba: Allerdings will ich das bestellte Bocadillo gar nicht essen; zwei Cola müssen reichen. Auf der dann wirklich schlechten CV 230 schlängeln wir uns an einem Gebirge vorbei und über den kleinen Ort Fuente Alhama kommen wir nach Luque: Hier brauche ich unbedingt eine Pause! Eine von Christians Orangen gibt mir aber wieder Kraft. Wir entscheiden uns, um etwas schneller und kraftsparender vorwärts zu kommen, nicht weiter auf kleinen Straßen zu fahren, sondern auf die N 432 auszuweichen. Das ist auch gut so, der Verkehr hält sich in Grenzen und im Windschatten von Chris und tkaiser können Christian und ich uns ganz gut halten. So gleicht die Fahrt eher einem Vierer-Manschaftszeitfahren:-) So erreichen wir Cordoba noch vor dem Abend, mieten uns für zwei Tage in einem netten Hostal ein und gehen noch beim Araber essen; der Appetit ist langsam wieder da! Aber während ich Chris und tkaiser noch den Weg zum 'Soul' beschreibe (hottest place in town!), halten Christian und ich schon früh Bettruhe.

Ruhetag: Cordoba

Christian geht es heute richtig schlecht:-( Während wir frühstücken und die Mesquita besichtigen wollen, hütet er das Bett. Da der Eintritt von 8-10 Uhr frei ist, frühstücken wir um 9 Uhr und sind 10 Uhr in der Mesquita. Es ist ein einmaliges Bauwerk! Es verschmelzen hier über 1200 Jahre Architektur, Baugeschichte und Kultur! Ein Konglomerat an Baustilen, Farben und Formen! Die Moschee, mit deren Bau 785 auf den Fundamenten einer älteren Kirche begonnen wurde, wurde dreimal erweitert; dies erkennt man unter anderem an der kleinen Rampe, vor der tkaiser und Chris stehen und an einfacher gestalteten Kapitellen. So ist ein regelrechtes Säulenmeer (als Stereophoto) entstanden (Anleitung dazu)! Beeindruckendster Teil der Moschee von der Ornamentierung her ist die Mihrab (dort leitete der Imam das Gebet). Gleichzeitig verschmilzt aber die Architektur der Mauren mit der christlichen Baukunst: Denn nach der Rückeroberung der maurisch besetzten Gebiete durch die Christen 1236 wurde die Moschee rechristianisiert und es entstand für rituelle Handlungen die Capilla Mayor innerhalb der Moschee. Dann wurde beschlossen, in der Moschee eine Kathedrale zu bauen und die Moschee teilweise dafür zu opfern. Als der Bau fortgeschritten war, kam Karl V., um die Baustelle zu besichtigen. Als er sah, welch schönes Bauwerk dafür geopfert werden sollte, bereute er seine Zustimmung zum Kathedralbau, die er aus der Ferne getroffen hatte. Ein großer Teil der Mosche und insbesondere die besonderer Raumwirkung wurde aber unwiederbringlich zerstört. Karl V. soll gesagt haben, als er die Baustelle besuchte: "Wenn ich gewußt hätte, was ihr hier zerstört, ich hätte es nie zugelassen. Was ihr hier baut, hätten wir überall baunen können; was ihr aber zerstört habt, war einzigartig."

Eine wie ich finde besonders gute Darstellung der Baugeschichte der Mesquita in Cordoba liefert dieser Aufsatz von Dr. Francine Giese-Vögeli, einer ausgewiesenen Expertin: "Die Grosse Moschee von Cordoba zwischen Christianisierung und Re-Islamisierung" [30.9.2009]

Nach der Mesquita habe ich noch folgendes Programm zusammengestellt: Alcazar de los Reyes Cristianos, Sinagoga und den Palacio de Viana. Letztere sind aber am Nachmittag des 31.12. nicht mehr geöffnet. Bei bestem Wetter treffen wir bei dem Alcazar von 1328 ein und begehen erstmal den Garten, fangen dabei bei den Fischteichen an. Vom Garten hat man auch einen guten Blick auf das festungsartige Bauwerk. Die vielen Brunnen begeistern mich: Gerade im heißen Sommer spenden sie Kühle und beruhigen durch ihr leises Plätschern. Vom Turm können wir einen Blick in den Hof (mit Brunnen) und Fischteich im Garten (ganz rechts) werfen. Danach folgen wir den landestypischen Gewohnheiten und während die Synagoge Siesta macht, stärken wir uns in einer Bar. Nach dem Fußmarsch zur Synagoge und zum Palacio de Viana schauen wir in unserer Lazarettstation vorbei und bereiten wir uns mental auf den bevorstehenden Jahreswechsel vor, vulgo wir machen ein Schläfchen.

Später abends kehren wir beim Chinesen ein, essen ein viel zu reichhaltiges Silverstermenü und machen uns auf zum Plaza de las Tendillas: Dort, haben wir uns in einer Bar sagen lassen, soll die Post abgehen beim Jahreswechsel. Leider haben wir den Sekt vergessen, so kehren wir auf ein paar Getränke in der einzigen offenen Bar am Platze ein, um dann ganz knapp pünktlich zum Jahreswechsel und Feuerwerk wieder auf dem Platz zu sein.

10. Etappe: Cordoba - Osuna

Heute frühstückt Christian mit; es geht ihm besser. Er beeilt sich besonders, um vor der Abfahrt noch die Mesquita zu besichtigen, während wir packen. Dann beladen wir unsere Räder, die schon ungeduldig im Hof warten. Dabei geht es an diesem 1.1.09 aber nicht ohne Doping ab; soviel dazu;-)

Das Wetter ist so lala ...; wir folgen wieder kleinsten Straßen ohne Verkehr am Guadalquivir (tkaiser) . Die drei nehmen Fahrt auf, vorbei am Castillo Almodovar del Rio (ganz rechts) und den schon bekannten Hinweisschildern. Christian sieht immer noch nicht ganz gesund aus, aber auch tkaiser sah schon mal besser aus. Da sind alle froh um die erste Einkehr - zumal es zwischendurch immer wieder mal leichter oder stärker nieselt - in Fuente Palmera. Die Messe ist gerade aus und die Bar gegenüber ist voll. Wir bestellen Bacadillo de Queso y Jamon und boquerones en vinagre, dazu gibt es Cola und cafe con leche.

Wieder auf dem Rad kommt auch mal die Sonne raus (Chris, Christian und tkaiser) auf dem Weg nach Ecija; am 1.1. bleiben die Straßen autofrei und selbst auf der A 351 gibt es kaum Verkehr, als wir zum Beispiel an einer Lagune vorbeifahren, auf der schnurgeraden Straße nach Osuna. Mit dem nahen Ziel vor Augen und mit sich besserndem Wetter kommt Freude auf! In Osuna nehmen wir ein Hotel mitten in der Stadt, bummeln ein bißchen durch den Ort (vorbei zum Beispiel am Ayuntamiento), wobei die örtliche Pasteleria im Vorbeigehen gestürmt wird und wir in einer Bar eine Runde Tapas bestellen.

11. Etappe: Osuna - Antequera

Den nächsten Morgen frühstücken wir in der Bar um die Ecke und beratschlagen: Das Wetter soll noch wechselhafter werden mit Schauern und ganzen Regentagen:-( Die drei Münchener überlegen, mit dem Zug direkt nach Malaga zurückzufahren und den nächsten Flieger zu nehmen. Das tun sie dann auch so. Ich selbst bin unschlüssig: Lieber Richtung Madrid fahren? Oder den Zug nach Madrid nehmen und ein paar Tage Madrid ansehen? Oder doch Radfahren? Aber in welche Richtung? Mit welchem Ziel? Es sollten schon immer Einkehrstationen am Weg liegen; nach Ronda wollten wir ja weiterfahren ...

Ich entscheide mich ganz kurzfristig um: Nicht Ronda heißt das Tagesziel (dort war ich 2005 schon), sondern Antequera. Mit viel Rückenwind nehme ich die knapp 70 km in Angriff. Leicht wellig bis hügelig mit ein paar Rampen geht es dahin. Herrlich wechseln sich Wolken und sonnige Flecken ab; und die rote Erde läßt mich an das 'Red Center' in Australien denken! In Sierra de Yeguas entscheide ich mich für eine nicht ausgeschilderte Straße, die mich an der Laguna de la Fuente de Piedra vorbeiführt auf dem Weg über Bobadilla Estacion nach Antequera.

Hier steige ich in einem kleinen Hotel mitten in der Stadt ab; unten gibt es praktischerweise eine Bar mit angegliedertem kleinen Restaurant, was bei den Wetterverhältnissen die Wege kurz hält:-) Zuerst sehe ich mir die Dolmen Viera und Menga von ca. 2200 v.u.Z. an. Bei leichtem Nieselregen steige ich durch die Altstadt hinauf zu den Ausgrabungen der römischen Bäder. Dort befindet sich auch die königliche Stiftskirche Santa Maria la Mayor, die 1550 fertiggestellt wurde und als erstes Renaissancegebäude Andalusiens Elemente der Spätgotik und Renaissance vereint. Innen besticht das Gebäude durch Schlichtheit und eine grandiose Deckenkonstruktion aus Holz! Außen weist die Fassade gestalterische Elemente und beeindruckende Proportionen auf. Meinen Rundgang setze ich unterhalb der Acazaba (Festung) fort - die ich mir morgen unplanmäßig ansehen werde - und sehe mir noch die Stadtpaläste Marques de Villadarias und der Familie Colarte. Abends kehre ich im Restaurant des Hotels ein: Ich esse lecker Fisch und dazu gibt es einen Weißwein aus Cadiz.

Ruhetag: Antequera

Ich frühstücke in der Bar (während sich die anderen drei von Malaga aufmachen zum Flughafen); das Wetter sieht nicht so schlecht aus, doch es ist den ganzen Tag Regen angesagt. Hmm ..., ich gehe bei Sonne in's Internetcafe und recherchiere das Wetter. Auf dem Rückweg zum Hotel ziehen Wolken auf, doch ich bin entschieden, weiterzufahren! Radkluft anziehen, Behindset packen, abfahrbereit gebe ich den Zimmerschlüssel ab und trete vor das Hotel: Starker Regen! ... ohne Aussicht auf ein Ende. So harre ich dort aus, entscheide mich aber, um eine Nacht zu verlängern. Suche die Bar auf, schaue mir bei nachlassendem Regen ein paar übriggebliebene Paläste an, stärke mich bei meiner Leibspeise Revueltos con Bacalao (ähnlich port. Bacaloa a bras, nur eben ohne patatas) und mache mich auf den Weg zur Alcazaba: Dabei ergibt sich dieses Panorama zur Bergformation La Pena. Die Alcazaba ist größtenteils rekonsturiert, das sie jemand bei der Eroberung - waren es die Mauren oder die Christen? - bietet aber einen schönen Blick über die Zinnen in die Sierra de las Cabras.

12. Etappe: Antequera - Malaga

Heute nehme ich meine letzte Etappe in Angriff: Bei einsetzendem Nieselregen und unter 10 Grad entscheide ich mich - entgegen den verlockenden Wegweisern "Malaga 55 km" - für die scenic route (und mein Hotelportier meinte, daß er selbst Rad fährt und das es über die Estacion de Gobantes schon bergig wäre): Aber dank seines Hinweises fahre ich eine Strecke, die in meiner Michelin-Karte nicht eingezeichnet ist. Und es geht hier tatsächlich mit weit über 10% bergauf! Nach dem Überqueren der neuen AVE-Trasse Malaga-Antequera taucht schon der Embalse del Guadalteba-Guadalhorce auf (linkerhand unterhalb der Felsen geht es dann für mich weiter). Jetzt geht es erstmal am Stausee entlang, ich überquere dann mehrer Staumauern von einem Konglomerat von drei Stauseen und fahre durch eine einmalige Gebirgslandschaft, bis ich an der Garganta del Chorro herauskomme (mittlerweilen ist es sonnig geworden). Hier überspannt ein 100 Jahre alter Druckstollen die Schlucht (darauf verläuft der Zubringerweg, der damals zur Kraftwerksbaustelle gebaut wurde, jetzt aber die Attraktion darstellt).

Ich fahre das Tal des Rio Guadalhorce in Richtung Mittelmeer, halte für eine Kleiderpause in Alora an (es ist mittlerweilen recht warm geworden): Hier probiere ich zwei unheimlich leckere lokale Weine, dazu gibt es Muschel-Tapas. Und weiter unten im Tal kann ich in Estacion Cartama an den Straßenrestaurants nicht vorbeifahren! Einladend stehen die Stühle und Tische in der Sonne und der Grill ist gut gefeuert. Ich bestelle eine große Portion Muscheln als Vorspeise, danach gibt es patatas fritas y dorada.

Dann rolle ich auf Nebenstraßen direkt zum neuen Bahnhof Vialia Maria Zambrano von 2006 und kaufe ein Ticket für den AVE, der auf der 2007 eingeweihten Hochgeschwindigkeitsstrecke Malaga-Cordoba eine schnelle Anbindung an Madrid herstellt. In der Nähe des Bahnhofs suche ich mir ein Hotel mit Blick auf den Hafen und nach dem Besuch der Sauna im Spa mache ich mich ganz entspannt auf einen Tapas-Bummel. Abends bin ich etwas unentschlossen, komme an der Kathedrale vorbei - in deren Nähe auch das römische Theater unterhalb der Alcazaba liegt, kann aber dem abendlichen Treiben im Zentrum Malagas nicht viel abgewinnen; einzig kaufe ich noch eine 2 GB SD-Karte für meine Digitalkamera, da mein 1 GB-Chip für 2 Wochen etwas knapp bemessen ist ..., sonntags um 22:00 im katholisch geprägten Spanien!

Stadtrundgang und Zugabreise: Malaga - Madrid - Paris - Frankfurt

Ich frühstücke im Bahnhof und besorge mir noch eine Süddeutsche für die Rückfahrt. Dann schaue ich mir die Kathedrale an: Ein eindrucksvoller Innenraum (als Stereophoto, Anleitung dazu) präsentiert sich, mit Rippengewölbe, rechts eines Teils der Orgel und darunter die Trennung des Chores vom Rest des Raumes. (Ungewöhnlich für deutsche Kathedralen ist der Chor nicht hinter dem Altarraum gelegen, sondern als 'Einbau' im Hauptschiff! Hier mit aufwendig gestaltetem hölzernen Chorgestühl; dahinter links ein Seitenschiff und rechts die Hauptfassade mit Eingangsbereich.) Von außen kann man gut die Mischung von Baustilen erkennen: Die Entstehung des Baus dauerte von der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts!

Da am Montag die Alcazaba und das etwas höher und mit der Festung verbundene Schloß Gibralfaro aus dem 14. Jahrhundert geschlossen sind, habe ich Zeit die Sonne am Strand zu genießen und beim Leuchtturm vorbeizuschauen. Von dort habe ich einen schönen Blick über den Hafen auf die Alcazaba.

Bei 20 Grad plus geht um 14 Uhr der AVE - für mein 'Gepäckstück' finde ich ein ruhiges Plätzchen, da ich einen Sitzplatz am Ende des Zuges habe - und die mit 270 km/h vorbeifliegende Landschaft erlebe ich - zeitweise auch im Cafe - noch mal rückwärts im Schnelldurchlauf (wie die Top-Twenty Plätze damals bei Mal Sondocks [30.9.2009] Hitparade:-) Oft kreuze ich die Gegenden, die ich Tage zuvor selbst erkundet habe, so auch das spanische 'Red Center'. In Madrid am Estacion de Puerta de Atocha angekommen (rechts der AVE, links hinten ein 'ICE 3'), gehe ich durch die alte Bahnhofshalle, in der der ein Palmengarten untergebracht ist, der gerade benebelt wird (meine Güte, sind die Palmen gewachsen!) und mache mich - bei 5 Grad plus! - auf die 8 Kilometer zum Estacion de Chamartin (wegen einem Straßenumzug zum Dreikönigstag ist fast der komplette Weg gesperrt und von Menschen übervölkert). Am Bahnhof angekommen stärke ich mich ein letztes Mal an der Tapas-Bar (links das GIOS und im Hintergrund rechts wird das Trenhotel nach Paris schon angezeigt) und ende mit einem Flan y Cafe con leche. Dann checke ich im Trenhotel ein: Da ich ein Einzelappartment habe, brauche ich wie auf der Hinfahrt das Rad nicht zu verpacken. Später am Abend gehe ich für den kleinen Hunger nicht in's Restaurant, sondern bestelle in der Bar die spanischen Käsespezialitäten, Oliven und dazu einen Ribera del Duero. Update [23.12.2014]: Im Nachhinein recherchiere ich, daß dies eine der letzten Möglichkeiten der Rückreise mit dem Trenhotel gewesen ist! Denn zum 15.12.2013 wurde die Nachtzugverbindung Joan Miro (Barcelona Franca-Paris Austerlitz) eingestellt! Er war schon recht einzigartig in Europa: Ein Hotel-Zug mit guter Ausstattung, zwar bisweilen eng, dafür aber mit getrennten Bar- und Speisewagen; richtiges Reisen halt! Vgl. dazu die Wikipedia zum guten alten Trenhotel der Elipsos S.A. [23.12.2014].

Morgens gehe ich zur 'blauen Stunde' zum Frühstück in's Restaurant; dabei fliegt eine verschneite Landschaft am Fenster vorbei. Mit 1 3/4 Stunde schneebedingter Verspätung erreichen wir Paris, so daß mein großer Stadtbummel ausfällt: Ich wechsel jetzt bei ca. 0 Grad und schneidendem Wind die Bahnhöfe, stoppe unterwegs nur für ein zweites französisches Frühstück und gehe mit dem jetzt verpackten Gios auf den Bahnsteig zum ICE (BordBistro), wo gegenüber ein TGV (Bar) wartet. Dort finde ich samt 'Gepäckstück' Platz im großzügigen Rollstuhlbereich. Nach ca. 4 Stunden erreiche ich Frankfurt und fahre ganz vorsichtig Schee und Eis meidend - bei jetzt -5 Grad! - nach Hause; das Ende der Tour.

Fazit

Für zwei Wochen lohnt die weite Anreise nach Spanien; zumal man Paris für einen Zwischenstop einbauen kann. Bei Sonne ist das Radfahren einfach eine Wucht! Tapas, Weine, Fisch und Muscheln, Kaffee ...: Es schmeckt vor Ort einfach doppelt gut. Selbst über die Feiertage oder dazwischen ist es kein Problem, eine Herberge zu finden. Die Einheimischen sind sehr freundlich, Autofahrer nehmen viel Rücksicht und mit ein wenig Spanisch hat man eigentlich immer gewonnen.

Ungewohnt sind nur die verrauchten Restaurants, Cafes und Bars: Das ist nach den angenehmen Erfahrungen aus Deutschland, Frankreich und selbst aus Italien nicht mehr hinzunehmen! Wie sehr habe ich mich in Paris über die erste rauchfreie Bar gefreut.

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