Herbsttour 2020: Endlich wieder Italien!

Küstenstraße in Ligurien

Alternativtraining: 1.000 km mit dem Rennrad im G1-Bereich ..., statt Laufen.

Übersicht der Route

Landkarte Mailand - Canelli - Finale Ligure - Ventimiglia - Barolo - Vigevano - Ispra - Bellinzona in der Übersicht (0,5 MB) und im Detail (3,7 MB).

Anreise nach Mailand mit der Bahn und Weiterfahrt nach Pavia

Sehr bequem und superpünktlich fahre ich mit dem ECE der SBB von Frankfurt direkt nach Mailand: Beginnen tue ich den Tag im Bordrestaurant ..., mit dem Rhein-Main-Teil der FAZ:-) In der Schweiz bessert sich das Wetter zunehmend, als wir den Vierwaldstätter See (unterhalb der Axenstraße) passieren und den Luganer See erreichen. In Mailand am Bahnhof schon bestes Radfahrwetter! Durch die Stadt, vorbei am Mailänder Dom, zu den Kanälen nehme ich fälschlicherweise den richtigen: Gerne fahre ich den Naviglio Grande über Gaggiano und Abbiategrasso und am Ticino nach Pavia; doch ich biege 90 m zu früh ab. So folge ich dem Naviglio di Pavia direkt, zum Schluß in Sichtweite vorbei an der Certosa. Doch insgeheim bin ich über die Abkürzung froh, denn der Tag endet im Herbst schneller als mir lieb ist. Unterkommen tue ich in meinem Lieblingshotel Aurora [29.10.20] zwischen Bahnhof und Altstadt: Hier sehe ich mir noch den Dom auch von innen an. Leider ist meine Lieblingspizzeria al Drago Marino [29.10.20] geschlossen; so finde ich am Hauptplatz Piazza della Vittoria einen Platz unter den Arkaden, dazu gibt es einen Bonarda aus dem Oltrepo Pavese [29.10.20]. Sa., 3.10.20, 39 km, Ø 24,5 km/h, (1:36) 50 Hm, 22-20-24°C (70 EUR)

Nizza Monferrato ist nicht Canelli

Bei bestem Wetter verlasse ich Pavia mit der Ponte Coperto (Rekonstruktion [29.10.20]), wobei mir wie im Folgenden auch der hohe Wasserstand auffällt (links der Dom, rechts die Geschlechtertürme): Regulärer Wasserstand des Ticino. Dem nicht staubfreien Deichradweg folge ich dem Po mit Blick in's Oltrepo Pavese und der Po beeindruckt mit seinen Wassermassen, wie er die Fläche überschwemmt: Das Wochenende meiner Ankunft hat es überstarke Regenfälle im Piemont und in Ligurien gegeben (Alpenhochwasser 2020 [7.11.20])! Bei der Fahrt durch die Poebene genieße ich das sonnige Wetter und vertrödel die Zeit mit einigen Spiegelphotos. Bei der Pause in Suardi lese ich in der Lokalpresse von disastri und sehe Bilder überschwemmter Landwirtschaften. Weiter geht die Fahrt durch das verschlafene Frascarolo und ich bemerke eine Gottesanbeterin am Straßenrand, die etwas verdattert dreinschaut. Wie angekündigt zieht sich das Wetter etwas zu; Alessandria passiere ich, um in Villa del Foro einzukehrer (leider zu:-( was am Sonntag in dieser ländlichen Gegend nur verständlich ist. Nur fahre ich so in einen veritablen Hungerast! Im stärker werden Gegenwind schleiche ich mittlerweilen dahin und werde auch noch von einem Rennradfahrer überholt, dem ich nicht mehr folgen kann, egal. In Bergamasco dann die Erlösung; in der Bar haue ich rein: 5 Cannoli [6.11.20], ein Cappuccino, ein Brioche, eine Cola, einen O-Saft und ein Tütchen Chips! So gestärkt folge ich der Hauptschtaße nach Nizza Monferrato ..., nur um festzustellen, daß ich gar nicht nach Nizza wollte, sondern nach Canelli! So fahre ich - gut gestärkt! - weitere 10 km, ab jetzt aber in leichtem Regen (die Regenjacke ist aber unnötig). Ich komme im historischen Villa Chiara Hotel [29.10.20] unter; den Abend verbringe ich beim Probieren der Spumante im Caffe Torino [29.10.20] nebenan. Nur zum Essen gehe ich durch die Stadt zur Pizzeria Cristallo, vorbei am alten Teatro Cinema Balbo. So., 4.10.20, 140 km, Ø 24,3 km/h, (5:45) 706 Hm, 15~20~17°C (65 EUR) Σ 179 km

Über den Ligurischen Apennin zum Mittelmeer

Heute ist das Wetter sonnig angesagt: Doch ich starte zu Beginn beim Corsa verso le nuvole. Die Broschüre An (e)bike ride to the Sanctuary läßt mich die Weinberge Canellis erkunden: Spontan biege ich nach Loazzolo ab, erklimme die Berge, vorbei am Weingut Pianbello mit Blick hinunter nach Canelli, in eine bergige, verlassene Gegend, mit viel Weinanbau. Im Tal der Bormida erreiche ich - nach einer Pause im Caffe Sport de Marisa das mittelalterliche Monastero Bormida (welches 1394 in die einzige nicht auf einem Hügel stehende Burg der Provinz Asti umgewandelt wurde [29.10.20]) mit einer romanischen Brücke samt Kapelle. Jetzt biege ich ab und folge kleinsten Straßen hinauf: Eine mehrfache Brückensperrung zwingt mich zu einer Umleitung, die mich zu dieser skurrilen Brücke über den Torrente Erro, im Grunde einer Art Damm, führt; auf der Open Street Map-Karte ist die Strecke zum Teil als Feldweg markiert! Wieder auf der Hauptstraße bessert sich das Wetter, wie auch auf meinem weiteren Weg dem Erro folgend hinauf zum Ort Sassello: In diesem kleine netten, fast verschlafenen Ort (sogar mit einladendem Hotel Ristorante Pian del Sole [3.11.20]) kehre ich aber etwas spontan in der Bar Gina trotz enger Gassen (via G.B.Badano 38) in der Sonne zum Mittagessen ein: Super netter Wirt, sehr unaufgeregt, der mich nebenan dann noch in die Spezialität des Ortes, die Amaretti di Sassello [3.11.20] einweiht (Kekse mit süß-bitterem Geschmack [6.11.20] und kein Amaretto-Likör [3.11.20], welche der Mandel-Geschmackt verbindet:-) Drei verscheidene Sorten nehme ich mir als Doping für die weitere Fahrt über den Colle del Giovo (der schon bessere Tage gesehen hat und von dem ich das aus Meer sehe) an's Mittelmeer in Albissola Marina mit. Jetzt an der Küste folge ich der traditionellen Strecke des Radrennens Milano-Sanremo (welches ich dreimal - 2005, 2006 und 2007 - mitgefahren bin): Nach Savona [3.11.20] - mit seinem Kreuzfahrt Terminal, wo wir auch 2005 vorbeigefahren sind - ist die Küste wild zerklüftet (Rückblick), direkt am Meer entlang, mit spektakulärer Straßenführung und aufgewühltem Meer (Rückblick)! Kurze Zeit später erreiche ich Finale Ligure, hier suche ich eine Unterkunft und streife durch die Stadt: Am Ende der engen Gasse - wo typischerweise die Wäsche getrocknet wird - erwartet mich die Basilika S. Giovanni Battista, ein wichtiges Beispiel des ligurischen Barocks. Außerßerdem faszinieren mich die aufwendig gestalteten Fassaden in den Gassen; abends sehe ich den Surfern in der wellenschlagenden See zu genau wie die vielen Mountainbiker die Bars am Hauptplatz bevölkern. In der Dunkelheit ist meine Herberge theatralische beleuchtet, die altehrwürdige Villa Italia [3.11.20]. Mo., 5.10.20, 114 km, Ø 21,5 km/h, (5:19) 1.228 Hm, (70 EUR) Σ 293 km

Ein Extratag am Mittelmeer

Da sich das Wetter klasse gestaltet habe ich genug Zeit und will eine weitere Übernachtung am Mittelmeer einbauen. Ich starte in Finale am Hauptplatz bei bestem Wetter, folge der Küstenstraße mit Blick auf's Meer und kehre in Alassio an der Küstenpromenade auf ein zweites Frühstück ein. Um die Tagesetappe bis Ventimiglia etwas auszudehnen und etwas vom ligurischen Hinterland zu sehen, baue ich eine kleine Schleife über Molini di Triora ein, um morgen über den Colle di Tenda in's Piemont einfahren zu können; doch ich habe die Rechnung ohne den Wirt resp. das letzte Wochenende gemacht (später mehr dazu). In Santo Stefano al Mare gerate ich auf einen Radweg - denke mir aber nichts dabei - dem ich bis Taggia folge (auch dazu später mehr:-) Hinauf in die Berge dem Val Argentina folgend erreiche ich über Badalucco den Ort Montalto Ligure: Hier werde ich von Polizisten gestoppt und darf erstmal nur schiebend weiter; anderen Fahrzeuge wird die Weiterfahrt verweigert! Am nächsten Tag lese ich dazu in der Lokalpresse: Die Wassermassen haben die Uferbefestigung samt Straße weggerissen; es mußte am Hang erst eine Behelfsstraße angelegt werden, die ich - hier abtrassiert - passieren konnte. Immer häufiger sehe ich jetzt am Straßenrand Autos, die von Schlamm überdeckt sind: Das Unwetter vom letzten Wochenende hat viele Flüsse über die Ufer treten lassen und ein Bild der Verwüstung hinterlassen:-| [3.11.20] Ich kann allerdings Molini di Triora passieren und gehe in die Steigung hinauf zum Col di Langan, hier mit einem Rückblick auf den Ort Triora. Etwas später ergibt sich der Blick hinunter in die Schluchten nach Loreto: Eine sehr eindrucksvolle Bergregion und der totale Kontrast zur Küste! Viel im Schatten im Wald erreiche ich den einsamen Paß auf 1.127 m Höhe: Die Aussicht ist klasse und die Beschilderung macht Lust auf die Abfahrt (wobei ich das unterste Verkehrszeichen erst jetzt bemerke) in der Sonne (Rückblick auf den Paß oben rechts)! Immer wieder ergeben sich tolle Blick in die gebirgige Landschaft und auf die marode Infrastruktur (Frana!). Kurz vor dem Ort Pigna am Ende der steilen Abfahrt - wo ich mich in der Bar Desir de Roy [3.11.20] stärke - ist klar: Die Straße ist definitiv gesperrt bzw. unterbrochen! Die Sonne senkt sich, dem Val Narvia folge ich schnell nach Ventimiglia, wo ich in der westlich liegenden Altstadt mit Blick über den neuen Yachthafen im Hotel Sole Mare [3.11.20] unterkomme. Auf der Suche nach einem Restaurant nehme ich am Meer zuerst einen Aperitivo auf der Terrasse des Bagni San Guiseppe [3.11.20] und folge der Dicesa Porta Marina hinauf in die historische Altstadt: Hier gelange ich zum Einstieg auf die Piazza Cattedrale mit Eingang zur Cattedrale di Santa Maria Assunata (links) und einem sehr repräsentativen Bau mit Freitreppe (rechts). Sehr effektvoll sind die Gassen der Altstadt in Szene gesetzt bis hin zu sehr natürlichen Ecken. Di., 6.10.20, 143 km, Ø 20,1 km/h, (7:07) 1.677 Hm, 20~22-12~22°C (70 EUR) Σ 436 km

Über die Ligurischen Alpen in's Piemont

Heute geht es über die Berge zurück in's Binnenland, Ziel ist das Piemont. Trotz Bedenken, der Colla di Tenda könnte unpassierbar sein, mache ich mich auf den Weg, ... vorbei an Felsformationen, die mich an Meteora in Griechenland erinnern (vgl. Kastraki 2012). Doch nach 5 km ist die Fahrt schon zu Ende: Tunnel Tenda chiuso a Tempo indeterminato:-( Das lese ich dann auch in der Tagespresse, genau wie auch die Bahn betroffen ist! In Ermangelung an Alternativen fahre ich die Küste zurück, gelange in San Remo (ganz in der Nähe des ehem. Hotels Graziella aus alten Milano-Sanremo-Zeiten) auf den Radweg, auf dem ich mich (nach einer Pause im Ristoro la Vesca Bistrot sul Mare [11.1.21] - Sanremo: Ristorante, SelfService, Punto di Ristoro. Pista ciclabile della riviera dei fiori km 11 - direkt an der Radstrecke) einer schnellen Trainingsgruppe anschließen kann; hierbei geht es auch durch lange Tunnels auf der ehem. Bahnstrecke am Meer entlang. Und jetzt wird mir klar: Dieser Radweg war die eröffnende MZF-Etappe des Giro 2015! [3.11.20] Übrigens, der Bahntrassenradweg wird westlich von San Lorenzo weitergebaut. So erreiche ich wieder Imperia - diesmal ohne Pause, da ich die verloren Zeit vom Morgen wieder herausholen will ..., wie sich später als sehr guter Schachzug erweisen wird:-) Auf der insgesamt sehr wenig befahrenen SS 28 geht es mäßig bergauf, dank Tunnels an Cesio und über Brücken an Calderara vorbei. In Pieve di Teco sehe ich eine offene Poststelle ohne Schlange davor: Sofort drehe ich um, ich brauche noch Briefmarken. In der Poststelle traue ich meinen Augen nicht: Die Decke in den historischen Räumen sind über und über mit Frescen bedeckt! An der Festung Forte Bellarasco vorbei erreiche ich am Paß Colle di Nava auf 934 m Höhe das Fort Central abseits der heutigen Paßstraße (angelegt zur Verteidigung der wichtigen Verbindung zwischen Frankreich und dem Piemont - neben dem Colle di Tenda, wo es auch ein Fort Central gibt - von den Herrschern von Savoyen). Vorbei an der Albergo Lorenzina [3.11.20] - oder hätte ich doch hier oben bei herrlichem Sonnenschein, herbstlichem Wald und tollem Bergpanorama übernachten sollen? - geht es hinunter: In Ponte di Nava haben alle Lokale zu, in Ormea sind alle mit Aufräumarbeiten beschäftigt und Garessio macht einen nicht sehr einladenden Eindruck:-| Zwischenzeitlich fahre ich an den zerstörten Gleisen der Bahn entlang. Und so liegt meine ganze Hoffnung auf Ceva (Anfahrt mit dem Mont Viso im Hintergrund): Doch die Autobahnhotels reizen mich nicht, und die einzige Herberge ist voll, ich solle in zwei Stunden wiederkommen; ob das aber lohnt? So will ich weiter nach Murazzano, den Mont Viso immer vor Augen in der schon abendlichen Stimmung (in ca. 80 km Entfernung): Doch hier ist eines meiner Lieblingsrestaurant mittwochs geschlossen genau wie alles andere; und das Zimmer soll 90 EUR kosten! So fahre ich weiter ..., nach Dogliani: Aber auch hier, die Cafe Bar Riviera ist zu; so suche ich schon gar nicht nach einem Zimmer. ... und entscheide mich, die letzten Kilometer nach Barolo unter die Rennräder zu nehmen: Durch's Tal des Tanaro und mit Blick auf Novello im Abendlicht der untergehenden Sonne an Monforte vorbei und einem Rückblick über die Weinberge auf den Kamm der Seealpen erreiche ich Barolo: Ich hätte also keine Minute später hier ankommen dürfen! Außerdem hatte ich mich schon bei der Umkehr vom Colla di Tenda gefragt, ob ich die Strecke mit dem Bergrücken bis Barolo überhaupt schaffen könnte: Latent war ich davon überzeugt und habe (ausgedehnte) Pausen und Übernachtungsmöglichkeiten ausgelassen. In Barolo komme ich (wie gewohnt) bei Brezza unter, wo ich auch esse (da Maurilio Mittwoch Abend und den ganzen Donnerstag zu hat:-( Mi., 7.10.20, 182 km, Ø 21,8 km/h, (8:21) 2.192 Hm, 20~25~15°C (80 EUR) Σ 618 km

Giro della Langa

Heute, der Tag mit dem besten Wetter: Mein Ruhetag ..., natürlich aktiv:-) Ich habe mir eine kleine Runde rausgesucht mit Zeit für Pausen: Mit Blick über die Weinlagen auf Castiglione Falletto starte ich auf La Morra bei der Lese im Weinberg; nach eine Bar-Pause in La Morra geht es mit Alpenpanorama (in 100 km Entfernung!) hinunter Richtung Cherasco (links der Mont Viso). In Rodino bekomme ich - letztmalig - wieder keinen Platz zum Mittagessen, so esse ich in der Cafe Bar Riviera. Über den 'Schleichweg' Via Castellero mit Blick in die Seealpen fahre ich auf Monforte: Die Weinberge zur Rechten, Novello zur Linken. Meine Lieblingsbar in Monforte: Chiuso! So fahre ich - mit Blick hinüber nach La Morra - zur Bar La Terrazza [4.11.20] für eine längere Pause, unterhalte mich mit Renza - die ich jetzt schon 20 Jahre kenne! - und kaufe noch Postkarten und Briefmarken schräg gegenüber im (etwas antiquierten) Zeitungsladen. Auf dem Rückweg nach Barolo kann ich an Fontanafredda [4.11.20] nicht vorbeifahren: Ich schaue mich in den riesigen Verkaufsräumen um und entscheide mich für ein Glas Barolo Vigna La Rosa; beim Verlassen liegt das Weingut - mit den charakteristischen Streifen - in der Abendsonne. Telefonisch bekomme ich in letzter Minute noch einen Platz im Restaurant Osteria Veglio [4.11.20] in Annunziata (La Morra): Im letzten Abendlicht fahre ich hin, speise formidabel und abends geht es in Dunkelheit zurück. Do., 8.10.20, 84 km, Ø 20,6 km/h, (4:05) 1.369 Hm, 16-22-(27)-14°C (80 EUR) Σ 702 km

Rückfahrt Teil I: Langa, Nizza & die Po-Ebene

Am Samstag Abend beginnt der Familien-Urlaub am Lago Maggiore, so steht die 'Rückfahrt' an: Bei noch bestem Wetter vertrödel ich - zuerst fahre ich nach Norden, dann nach Süden - die Zeit spontan auf meiner Lieblingsstrecke hinauf zur SP 32 (Via Langa), dem einzig würdigen Nachfolger des südital. Rennens Corsa verso le nuvole! Über Lequio Berria - die Hinweise auf die geschlossene Straße ignoriere ich geflissentlich:-) erreiche ich kurz vor Borgomale diese Baustelle: Wanderer kommen mir entgegen, so passiere auch ich. (Ital.) Baustellenarbeiter sind manchmal sehr strikt und manchmal sehr lasch, was das Ignorieren von Straßensperrungen angeht; manchmal haben sie aber auch ein Einsehen mit uns Radfahrern! In Canelli esse ich in der Enoteca Regionale di Canelli (Osteria dei Meravigliati) [4.11.20] zu Mittag im Hof schon bei abnehmender Sonne. Wieder spontan entscheide ich mich für einen Besuch des Winzers Cossetti [4.11.20] in Castelnuovo Belbo: Hier will ich eine Flasche Wein kaufen für ein Risotto, welches ich meiner Familie zubereiten will: Ich entscheide mich - nach einer kleinen Weinprobe - für eine Flasche Nizza [4.11.20]. Anschließend kann ich mir die verschiedenen Faßgrößen im Weinkeller (rechts ein kleines Faß des Nizza) selbst noch ansehen. Bei jetzt mäßigem Wetter fahre ich weiter; Alessandria lasse ich wieder links ... äh, rechts liegen, nehme die Hautpstraße (definitiv ein Fehler!) und will eine Pause machen hinter Valenza in der Trattoria del Ponte [4.11.20] direkt am Po. Doch als ich ankomme, schließt sie gerade:-( So pausiere ich kurz in Mede und erreiche mein Hotel in Vigevano beim Einbruch der Dunkelheit. Schnell will ich in's historische Zentrum gehen ..., doch macht mich der Menschenauflauf vor dem Restaurant Pizzeria Primavera [4.11.20] stutzig; so husche ich direkt hinein und ergattere noch einen Platz. Lecker gegessen und schnell zum Hotel zurück ... Fr., 9.10.20, 158 km, Ø 23,8 km/h, (6:39) 1.104 Hm, (47 EUR) Σ 860 km

Rückfahrt Teil II: Am Ticino zum Lago Maggiore

Hmm ..., vor der Abfahrt aus Vigevano will ich mir aber unbedingt das historische Zentrum ansehen; denn schon 2008 war ich auf dem 'historishen Platz in Vigevano' und mir ist diese konkav gewölbte Kirchenfassade im Kopf geblieben: So fahre ich recht unkoordiniert in den Hof des Stadtschlosses Castello Sforzesco (Herzogssitz) von 1345, nehme die Strada coperta in Augenschein, die dazu diente, das Castello unauffällig zu verlassen. Von dort habe ich schon einen schönen Blick auf die gewölbte Fassade des Doms. Der Schloßplatz wurde als idealer Platz angelegt, als Entree zum Castello und mehrfach umgestaltet: Er ist von Arkaden umgeben an drei Seiten, im Osten wird er vom Dom begrenzt. Sehr schön wurde dieser Platz beschrieben auf SZ.de im Artikel "Schauplatz Vigevano : Auf der Piazza Ducale glüht der Tag in die Nacht" [5.11.20]. Da die Wettervorhersage erst nachmittags von Sonne spricht, lasse ich den Tag ruhig angehen; es ist mit 12°C auch nicht sonderlich warm:-| So ziehe ich alles über, was das Gepäck an Radklamotten hergibt! Über den Ticino erreiche ich den Naviglio di Bereguardo, dem ich bis Abbiategrasso auf dem begleitenden Radweg nach Nordwesten folge, hier wechsel ich an den Naviglio Grande weiter nordwestwärts, mit Pause in Boffalora sopra Ticino (wie schon so oft). Dem Wochenende sind auch die Massen an Rennradfahrern geschuldet, ich falle gar nicht auf:-) So gestärkt erreiche ich leider viel zu früh das Restaurant San Pietro südötlich von Turbigo: 1/2 h will ich nicht warten, obwohl ich sehr gute Erinnerungen habe; wer weiß, wofür das gut ist ... Jetzt passiere ich westlich von Turbigo den Überlauf des Canale Navigabile (zweiter paralleler Kanal zum Naviglio Grande) schon mit Sonne und komme zur Binda Bici Bar bei Nosate: Der Blick hinüber ist sehr verlockend, die Radständer sind voll; besonders gefallen mir die Gravel Bikes samt Bikepacking mit besonderen Utensilien (denn meine Blechtasse habe ich normalerweise immer dabei, um Müllbecher vulgo Pappbecher zu vermeiden)! ... dann kommt auch schon mein Essen! (Mit lecker Morellino di Scansano [20.1.21]:-) Nette Einkehr, mal ganz anders, als im San Pietro; denn dort hätte ich drinnen ohne Sonne gesessen! Weiter am Canale Navigabile entlang erreiche ich die imposante ehemalige Schleusentreppe samt Überlauf bei Vizzola Ticino, wo der Kanal schon Canale Industriale heißt. Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Abzweig des Kanals vom Ticino (mit Cafe [5.11.20] im Hintergrund), wo der Ticino schäumend am Panperduto [5.11.20] abbiegt, was ich so noch nie gesehen habe! Mehr Bilder hier! [5.11.20] Zurück an der Straße nutze ich die Sonne für eine weitere Pause - heute habe ich es wirklich nicht eilig - das Gios wartet geduldig ... Direkt am Ticino auf der Nebenstrecke komme ich dann nach Sesto Calende für eine letzte Pause und durch's Hinterland erreiche ich unsere Ferienwohnung in Ispra. Sa., 10.10.20, 92 km, Ø 22,4 km/h, (4:05) 438 Hm, 12-20(-30)°C Σ 952 km

Eine Woche Pause vom Rennrad

Obwohl ich schon öfters im Frühjahr oder Herbst am Lago Maggiore unterwegs war; jeden Tag erlebe ich etwas Neues, und das Wetter ist besser als angekündigt: Wanderung am Ufer des Lago Maggiore (Parco Golfo della Quassa [6.11.20]), die Burg La Rocca Borromeo hoch über Angera [6.11.20], die Farbeimerbahn zum Sasso del Ferro (1.062 m) [6.11.20], die Wanderungen vom Rifugio De Grandi Adamoli [6.11.20] (977 m) mit lecker Essen, der Sacro Monte di Varese [6.11.20] mit dem Ristorante Montorfano (unterhalb von Santa Maria del Monte, welches mich doch stark an meine Heimat erinnert:-) direkt am Weg oder das lokale, inhabergeführte und völlig unaufgeregte Restaurant auf dem Pferdehof Centro Ippico La Betulla [6.11.20]! ... und den Regentag bleibt endlich mal Zeit, eine Giro-Etappe zu sehen.

Rückfahrt Teil III: Lago Maggiore und Abstecher

Wieder: Bestes Wetter! Mal wieder an Reno vorbei mit Blick über den See in die schneebedeckten Alpen und Cerro mit nettem Hafen entschließe ich mich vor Laveno zu einem kleinen Abstecher in die Berge: Die Schilder lassen klasse Straßenverhältnisse für's Rennrad vermuten! Und schon in der ersten Kurve wird von Transito molto difficoltoso gesprochen. Auf kleinsten, wenig befahrenen Straßen fahre ich zum Paßabzweig hoch und mit Ausblick über den See wieder hinunter. Das dauert etwas länger; und da ich den Zug um 15:02 nicht verpassen will, ersetze ich eine längere Mittagseinkehr durch eine kurze Pause in Luino, den letzen Ort vor der schweizerischen Grenze. Schön am See geht es dem Ende entgegen mit letzter Cappuccino-Pause oberhalb von Maccagno. Die letzten Kilometer in der Schweiz spute ich mich, da es nochmals wellig wird, und habe 30 min. zum Umziehen und Verpacken des Rades; schon läuft der - kaum gefüllte Zug! - Zug ein. Und trotz eines Extraumstiegs in Zürich erreiche ich Frankfurt mal wieder sehr pünktlich. Sa., 17.10.20, 90 km, Ø 23,6 km/h, (3:50) 1.098 Hm, 7-17(-25)°C Σ 1.042 km

Fazit

Sowohl im Frühjahr als auch im Herbst ist Oberitalien beim Wetter eine sichere Bank ..., gerade im Vergleich zu Frankfurt. Meine Ortskenntnis und Kondition lassen kurze schöne Etappen mit vielen Einkehren zu genauso wie lange abseits der Hauptstraßen. Die Vielfalt des Landes ist enorm: Vom Reisanbau in der Ebene des Pos bis zu den zerklüfteten Bergen des Ligurischen Apennins oder der Ligurischen Alpen; von der Fahrt am Ufer das Lago Maggiore, der Kanäle oder des Mittelmeers. Ein großes Erlebnis ist natürlich immer die gemütliche Runde durch die Langa mit lecker Wein und tollem Essen! Das nächste Frühjahr kommt bestimmt ...

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